Berlin-Sport : Kein Sponsor im Boot Wie eine Rennpilotin für ihren Sport arbeiten muss

Felix Gaber

Sie zählt zu den hoffnungsvollen Talenten im deutschen Motorbootrennsport. Ihr Traumziel ist die Formel 1 im Powerboot. Doch der Einstieg ist teuer. Mindestens 100000 Euro kostet eine Saison. „Ich müsste also schon einen Ölscheich kennen lernen“, sagt Annika Gähler mit einem Lächeln auf dem Gesicht. 2500 Euro muss die Berlinerin derzeit investieren, um ihr Boot in der Klasse OSY-400 zu unterhalten, mit dem sie mit über 100 Kilometer pro Stunde über das Wasser rast. „Ich finanziere mir mit meinem Job mein Hobby“, sagt die 24-Jährige, die im Jugenddorf am Müggelsee arbeitet. Von Montag bis Freitag steht sie dort in der Küche oder hilft aus, wo sie gebraucht wird. „Erst danach geht es ins Rennwochenende.“

So lief es auch am letzten Wochenende als sie beim 12. Internationalen ADAC-Motorbootrennen auf der Regattastrecke in Grünau auf Rang drei landete. Sieger wurde Knut Knape aus Bergisch-Gladbach. Das Problem der Finanzierung teilt sie mit vielen anderen in der deutschen Rennbootszene. „Die Fahrer sind alle Amateure“, sagt Cordula Namyslo vom Deutschen Motoryachtverband. Sponsoren gibt es kaum. „Das war vor 30 Jahren noch anders.“

60 Fahrer haben derzeit beim Verband Rennlizenz beantragt. 30 davon sind jünger als 25 Jahre. Dennoch gibt es Nachwuchsprobleme. Daran änderte auch die neu aufgelegte Klasse T-550 nichts, die vom Verband installiert wurde, um Jugendliche zu gewinnen. Doch 2005 ging die Serie gar nicht erst an den Start. 1000 Euro Kaution pro Boot war manchem zu viel. Der Einstieg in die höchste nationale Klasse, die R-1000, ist mit bis zu 8000 Euro für ein neues Boot noch kostspieliger, weshalb viele Jungtalente früh aufhören. „Die Lage ist kritisch. Die Fahrer werden immer älter“, sagt Namyslo.

Training ist aufgrund von Lärmbelästigungsklagen, Umweltschutzbedingungen und Geschwindigkeitsbeschränkungen nur eingeschränkt möglich – auf der Spree gar nicht. Für Gähler ist Training sowieso kein Thema. „Dafür habe ich gar keine Zeit.“ Denn die Elbe bei Dessau, wo das Training erlaubt wäre, ist 150 Kilometer weit weg. Von der Mosel bei Traben-Trarbach sowie dem Rhein bei Duisburg gar nicht zu sprechen. Dass die Berlinerin überhaupt über das Wasser flitzt, hat sie ihrem Vater Uwe zu verdanken. Der ehemalige Rallye-Fahrer fing 1996 beim ehemaligen Europameister Peter Heibuch als Mechaniker an. „So habe ich immer etwas vom Rennsport mitbekommen. 2001 brachten mein Vater und Peter ein Boot mit und ich war dabei.“

Zuvor hatte Gähler es auch schon in einer anderen Sportart versucht. Die Berlinerin wurde sogar Zweite bei der Deutschen Meisterschaft in der Sportakrobatik. „Das hat mich aber nicht erfüllt. Ich hatte schon immer Benzin im Blut.“ Mit Tempo will die 24-Jährige bald auch ihre ersten Meistertitel feiern und unter die ersten fünf der Welt kommen.

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