Kolumne Berliner Fußball : Berliner AK: Eine Trainerentlassung und viele Fragen

Der Berliner AK hat unter der Woche überraschend Trainer Engin Yanova entlassen, nach nicht einmal acht Monaten. Was lief hinter den Kulissen? Unser Kolumnist hat beim Sportlichen Leiter und jetzigen Interimstrainer Rocco Teichmann nachgefragt.

von
Engin Yanova ist nicht mehr Trainer des Berliner AK.
Engin Yanova ist nicht mehr Trainer des Berliner AK.Foto: Ian Stenhouse

Mitte der Neunziger Jahre gab es eine Komödie im britischen und irischen Fernsehen namens "Father Ted". Es war eine gnadenlose Parodie vom Leben in Irland, vor allem von der katholischen Kirche. Das Ehepaar John und Mary, zwei der Hauptcharaktere, hatten einen kleinen Lebensmittelmarkt und Father Ted kam oft zu Besuch. Wenn er da war, gingen John und Mary sehr liebevoll miteinander um – das perfekte Pärchen. Aber sobald Ted weg war und die beiden alleine waren, fingen sie fürchterlich zu streiten an, was fast immer mit einem Mordversuch endete.

Eine lustig Farce, die aber eine Weisheit zeigte: Das äußerliche Erscheinungsbild stellt eine andere Realität dar. Man weiß halt nie, was hinter geschlossenen Türen passiert. Und damit kommen wir mal wieder zum Berliner AK: Dessen Cheftrainer Engin Yanova wurde am Mittwoch entlassen und ich musste sofort an John und Mary denken. Von außen sah die Beziehung zwischen dem BAK und Yanova doch so perfekt aus. Der Trainer war jung und charmant und seine Laufbahn war bis hierhin absolut Erfolg versprechend. Er hatte eine klare Philosophie, die er einsetzen wollte und er war ambitioniert aber realistisch.

Seine viele Neuverpflichtungen funktionierten auf Anhieb und die Saison begann sehr gut - mit tollem Fußball nahm der BAK die Spitzenposition der Regionalliga ein. Im Oktober und November kamen aber ein paar Rückschläge und gleichzeitig zog die TSG Neustrelitz mit einer unglaublichen Serie von 13 Siegen das Tempo an der Tabellenspitze an, sodass der BAK nach nur vier Punkten aus den letzten sieben Hinrundenspielen dreizehn Punkte hinter den Spitzenreiter aus Mecklenburg-Vorpommern zurückgefallen war. Nicht ideal, aber kein Grund zur Panik  - die Idee war vor Anfang eh die, dass Yanova viel Zeit mit dem BAK-Projekt bekommt. Schlechte Phasen muss man da einfach durchstehen und weiterarbeiten. Oder?

Rocco Teichmann, seit Januar Sportlicher Leiter beim BAK, nachdem er verletzungsbedingt seine aktive Karriere beenden musste, gewährt einen Einblick hinter die verschlossenen Türen des Vereins aus dem Moabiter Poststadion. Demnach hatte sich der Vorstand Sorgen um die schlechten Auftritte im Herbst gemacht und auf eine Erholung unter Yanova nach der Winterpause gebaut. „Wir hatten noch Hoffnung, dass er die Spieler erreicht, dass man einen Neuanfang macht“, sagt Teichmann. „Die Mannschaft war über die Winterpause sehr fokussiert und hat gut mitgezogen trotz der schlechten Verhältnissen – wir haben auf Schnee und Kunstrasen trainiert und es war alles nicht optimal. Die Stimmung war aber sehr gut.”

Einst Spieler beim BAK, dann Sportlicher Leiter und jetzt auch noch Interimstrainer: Rocco Teichmann.
Einst Spieler beim BAK, dann Sportlicher Leiter und jetzt auch noch Interimstrainer: Rocco Teichmann.Foto: Ian Stenhouse

Von dieser schönen Stimmung war dann auf dem Platz allerdings nichts zu sehen. „Im Pokalspiel gegen Zehlendorf (2:2, 4:2 i.E.) waren alte Muster wiederzuerkennen. Das Spiel gegen Viktoria (2:4) war ein absoluter Rückfall in die Phase kurz vor Weihnachten”, so der Sportliche Leiter. „Am Montag wurde ich zur Vorstandssitzung gerufen, sie wollten einen Bericht über die sportliche Entwicklung bekommen und ich habe meine Sicht als Spieler und auch als Funktionär mitgeteilt“.

Wie schwer auch immer die Schilderung Teichmanns ins Gewicht fiel, fest steht: Der Vorstand entschied einstimmig, eine Änderung auf der Trainerposition vorzunehmen.

Somit war die Zeit von Yanova vorbei - Kritik an der Trainerentlassung ließ nicht lange auf sich warten: „Sowas passiert, wenn man eine planlose Vereinsführung hat”, schrieb einer auf der BAK-Facebook-Seite. Eine Äußerung die die allgemeine Überraschung der Außenstehenden widerspiegelt. Denn nicht nur die Entscheidung selbst wirkt komisch, sondern auch das Timing. Wenn Yanova schon vor Weihnachten entlassen worden wäre, hätte der neue Trainer viel mehr Zeit gehabt, seine Spieler kennen zu lernen.

Vereinsheime - Oasen des Berliner Fußballs
Berlin,Fußball,Amateurfußball,Vereinsheim,VereinsheimeWeitere Bilder anzeigen
1 von 317Foto: Kai-Uwe Heinrich
02.12.2016 16:40Die Perlen unter den Gaststätten im Berliner Amateurfußball. Und so morbide wie dieses Tor in Charlottenburg ist auch der Zustand...

Doch unter Außenstehenden und Kommentatoren im Internet findet man ja bekanntermaßen mehr haltlose Kritik als fundierte Analysen. Insider Teichmann versucht aufzuklären: „Mit Yanova konnte man über alles reden, ich habe mich sehr gut mit ihm verstanden. Er hat gutes Training gemacht aber ich denke, die Mannschaft hat seine Vorgaben nicht umgesetzt. Sie waren anscheinend nicht überzeugt, dass seiner der richtige Weg war“. Mit dem Tabellenplatz habe die Situation jedenfalls nichts zu tun, eher damit, dass die Mannschaft zuletzt nicht gut gespielt habe. „Das Auftreten stimmte nicht, Ich glaube nicht, dass wir die Wende zum Guten geschafft hätten“, erzählt Teichmann weiter.  

Für das kommende Spiel gegen den 1. FC Magdeburg übernehmen Teichmann selbst und der bisherige Co-Trainer Özcan Gümüs das Traineramt. Und der Interimscoach und einstige Innenverteidiger empfindet keine große Eile, einen neuen Cheftrainer zu finden. „Wir setzen uns nicht unter Druck“, sagt er. “Für mich ist es wichtig, dass es wieder Leidenschaft gibt und dass die Spieler wieder Spaß am Spielen haben.” Das klingt wie eine absolute Kehrtwende. Auch Engin Yanovas Philosophie, so wie jede Fußballphilosophie, brauchte Leidenschaft – aber die Basis waren technische Fähigkeit und taktisches Wissen. Ob man nur mit Schweiß, Leidenschaft und Spaß Erfolg haben kann, wird sich noch zeigen.

Es wird auch in den nächsten Monaten viel passieren hinter den geschlossenen Türen des Poststadions. John und Mary haben es zum Glück nicht geschafft, sich zu töten. Vielleicht hat ihre Beziehung, so wie die von BAK und Yanova, irgendwann mit einer überraschenden Scheidung geendet – allerdings nur überraschend für die, die keine Ahnung haben konnten, was wirklich ablief.

Der Autor: Stephen Glennon kommt aus Irland, lebt seit 2005 in Berlin und ist Mitgründer des englischsprachigen Berliner Fußballmagazins No Dice.  Für den Tagesspiegel schreibt Glennon immer freitags über den Berliner Fußball. Bilder und Spielberichte von „No Dice” auf Facebook.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar