Kommentar : Heinevetter und die schwarze Null

Hartmut Moheit über den neuen Vertrag des Berliner Handballtorhüters.

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Silvio Heinevetter ist kein armer Mann, er war es nicht und wird es auch in Zukunft nicht sein. Aber er hätte sehr viel mehr Geld verdienen können als in Berlin, wo er bei den Füchsen gestern seinen Vertrag bis 2014 verlängert hat. Als bester Torhüter der stärksten Handballliga der Welt standen ihm alle Wege offen.

Vor allem der finanzstarke Champions-League-Teilnehmer Rhein-Neckar Löwen hatte Heinevetter ein Angebot unterbreitet, das er nicht hätte ausschlagen dürfen, wäre es ihm nur ums Geld gegangen. Heinevetter hat sich für etwas anderes entschieden. Für die Perspektive, in einer Millionen-Metropole etwas mitentwickeln zu können, das noch vor kurzem eine Illusion zu sein schien.

Der entscheidende Faktor war für ihn die „spannende Stadt Berlin“. Jenes Berlin, in dem Heinevetter zum einen die ideale Bühne vorfindet für sein Leben gemeinsam mit der Schauspielerin Simone Thomalla. Aber auch das sportbegeisterte Berlin, das für den unverhofften sportlichen Aufschwung der Füchse in den vergangenen Wochen steht. Das Wechselspiel zwischen Publikum und Mannschaft hat die Füchse in der Bundesliga bis auf Platz vier katapultiert.

Das Beispiel Heinevetter ist ein Mut machendes Indiz für die Vision des Füchse-Machers Bob Hanning: dass nämlich die Begeisterung in der Halle und in der Stadt zum Fundament werden möge für das Berliner Handballprojekt. Nur so, sagt Hanning, könne man den explosionsartig steigenden Gehältern in der Bundesliga begegnen. Für keinen Spieler der Welt wolle er den wirtschaftlich soliden Kurs verlassen. Die schwarze Null ist das Maß aller Investitionen.

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