Kommentar : Statistik siegt nicht

Diesmal kein Meister. Katrin Schulze über das scheinbar unmögliche Ausscheiden der Eisbären

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Sport ist nicht berechenbar. Statistiken, Wahrscheinlichkeiten, Tabellenränge – sie verlieren an Bedeutung, sobald sich zwei Mannschaften gegenüberstehen. Das haben die Eisbären gerade wieder gezeigt. Deutschlands führendes Eishockey-Unternehmen, als einziger ernst zu nehmender Kandidat auf die Meisterschaft in die Endrunde gestartet, hat sich im Viertelfinale verabschiedet. Nicht irgendwie, sondern gegen eine Mannschaft aus Augsburg, die sie in der Hauptrunde um 36 Punkte abgehängt hatte.

Überhaupt schienen die Berliner allen Mitstreitern enteilt, spielten sie doch die beste Vorrunde der Geschichte. Die Fallhöhe für die Play-offs hätte nicht größer sein können. Womöglich war sie am Ende zu groß. Womöglich scheiterte der Klub an eigenen Ansprüchen, vielleicht auch an Erwartungen von außen. An der Qualität des Kaders kann es jedenfalls kaum gelegen haben. Zwar stehen die Eisbären vor einem personellen Umbruch, dennoch sollten sie von der Erfahrung der zurückliegenden fünf Jahre profitieren – viermal ergatterten sie da die Meistertrophäe. Kein Zweifel: Berlin stellte das beste Team, arbeitet unter den professionellsten Strukturen und mit dem nachhaltigsten Konzept der Liga. Allein, es spielt für dieses Jahr keine Rolle mehr.

Wie die Eisbären die Meisterschaft verspielten, war erstaunlich, ja, sensationell. Dass sie aber nicht zum Titel kurvten, ist keine Katastrophe – nicht für sie selbst. Vor allem aber nicht für die Liga, die in der Endrunde an Spannung zurückgewonnen hat. Denn die Berliner reihen sich ein in eine Riege großer Klubs, die frühzeitig scheiterten: Mannheim, Köln, Düsseldorf. Der Deutsche Eishockeymeister 2010 wird so ein vermeintlicher Außenseiter werden. Sport ist eben keine Mathematik – faszinierend und beruhigend.

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