Berlin-Sport : Lächeln im Sturm

Union steckt nach acht verlorenen Spielen in der Krise – doch der drohende Abstieg irritiert keinen

Ingo Schmidt-Tychsen

Seine Stimmung könnte schlechter sein. „Wir müssen uns jetzt auf unsere Stärken konzentrieren, nicht auf unsere Schwächen“, sagt Werner Voigt. Gerade haben die von ihm trainierten Fußballer des 1. FC Union 1:3 gegen Borussia Dortmunds Amateure verloren. Es war die achte Niederlage der Berliner in Folge. Union hat als 17. der Tabelle fünf Punkte Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Und trotzdem hat Werner Voigt keine besonders schlechte Laune. Der 57-Jährige weiß, dass er sich auf eine schwierige Aufgabe eingelassen hat: „Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich den Klassenerhalt nicht versprechen kann.“

Voigt betreute zuletzt Unions Reservemannschaft. Präsident Dirk Zingler ist daher bemüht zu betonen, dass „Herr Voigt keine Interimslösung ist. Er genießt unser volles Vertrauen.“ Vor einer Woche löste Voigt den erfolglosen Frank Wormuth ab. Wormuth gilt in der Fußballszene als ausgezeichneter Trainer. Der Vorstand, die Spieler und sogar die Fans hatten nichts an dem sympathischen Fußball-Lehrer auszusetzen. Trotzdem holte Union unter Wormuth nur sieben Punkte aus zehn Spielen. Die Gründe für das schlechte Abschneiden sind aber nur bedingt beim ehemaligen Trainer zu suchen. Der Etat für die Profimannschaft wurde vor der Saison auf 1,1 Million Euro festgesetzt, das ist unteres Drittel in der Regionalliga. Dabei hat der Klub ein Gesamtbudget von 2,1 Million Euro. Jetzt wollen die Unioner ihr Finanzkonzept noch mal überdenken. „In der Winterpause wollen wir noch mindestens zwei Spieler verpflichten“, sagt Zingler.

Dabei sollten die Berliner darauf achten, einen Spieler mit Erfahrung zu holen. Einen Führungsspieler, der das junge und zurzeit so verunsicherte Team mitreißen kann. Tom Persich ist diese Rolle zugedacht. Persich ist Mannschaftskapitän. Ob ihm diese Rolle auch tatsächlich liegt, ist fraglich: Persich trug lange Zeit den Spitznamen „der Schweiger“.

Steffen Baumgart ist ein solcher Führungsspieler. Der 32-Jährige hat acht Jahre lang in der ersten Bundesliga gespielt. Der Stürmer spielte in der vergangen Saison bei Union, als der Klub noch in der zweiten Liga kickte. Er wollte in Berlin bleiben, war auch bereit, auf einen Teil seines Gehalts zu verzichten. Nur wollte Baumgart nach seiner Karriere als Fußballer noch weiter bei Union arbeiten, als Funktionär beispielsweise. Doch die Berliner ließen die Chance verstreichen, einen Stürmer mit Bundesliga-Erfahrung in der Regionalliga einsetzen zu können. „Einige Leute im Vorstand mögen mich anscheinend nicht“, sagte Baumgart damals. Er wechselte in die zweite Liga zu Energie Cottbus.

Fünf Spieler aus der Zweitliga-Mannschaft sind bei Union geblieben, nur zwei spielen tatsächlich. „Mit diesem unerfahrenen Team ist es schwierig“, sagt Trainer Voigt. „Nur über Kampf und Kondition können wir in dieser Liga noch etwas reißen.“ Daran will Voigt nun intensiv arbeiten. Bis zum nächsten Spiel gegen den VfB Lübeck sind noch zwei Wochen Zeit. Diese 14 Tage werden anstrengend für Unions Spieler: „Wer nicht mitzieht, der kriegt Probleme“, sagt Voigt in ernstem Tonfall. Vielleicht ist es dieser Tonfall, der den jungen Spielern unter dem netten Trainer Wormuth gefehlt hat.

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