Berlin-Sport : Luftkissenschlacht

Hovercrafting wirbt beim EM-Lauf in Hoppegarten um mehr Beachtung

Christian Gödecke

Der Tag, an dem Hovercraft den Wilden Westen treffen soll, beginnt anders als erhofft. Es regnet. „Country meets Hovercraft“ hatten die Veranstalter des ersten Laufs zur Hovercraft-Europameisterschaft auf der Galopprennbahn in Hoppegarten als Motto ausgegeben und sich auch sonst einiges einfallen lassen, um ihren Sport am Wochenende der Öffentlichkeit zu präsentieren. Neben preiswerten Tagestickets und Auftritten von Country-Bands wie Truck Stop gibt es für Fans freien Zugang zum Fahrerlager.

Klaus Bönighausen stört der Regen nicht. Der 30-Jährige hatte eben noch an seinem Boot geschraubt, jetzt dreht er für ein Fernsehteam ein paar Runden. „Hovercraft braucht die Öffentlichkeit, und das Fernsehen ist dafür sehr wichtig“, sagt Bönighausen, der EM-Dritte des vergangenen Jahres. Neben mehr Beachtung für den Sport, den er seit elf Jahren betreibt,will der Pilot aus Hannover vor allem eins: in diesem Jahr Welt- und Europameister werden in der schnellsten Klasse, der Formel 1.

Die Luftkissenboote, die im Wettkampf zum Einsatz kommen, sind etwa so groß wie ein VW Golf. Die Technik der „Crafts“ basiert auf dem Bodeneffekt. Bewegt sich ein Boot mit schneller Geschwindigkeit, steigt der Luftdruck unter dem „Craft“ und füllt die Luftkissen. Durch eine flexible Schürze wird der Druck noch verstärkt, sodass die Boote in einer Höhe von zehn bis zwanzig Zentimetern schweben (hover). Ein Wettkampfboot kostet rund 15 000 Euro.

In Hoppegarten wurde vor zwei Jahren die erste permanente Rennstrecke für Hovercrafts weltweit gebaut. „Die Strecke ist sehr anspruchsvoll. Doch gerade deshalb ist sie bei den Fahrern sehr beliebt. Normalerweise müssen die Piloten auf Kanälen oder Flughäfen trainieren“, sagt Ralf Ritter von der Hovercraft Racing GmbH, die den EM-Lauf organisiert. Dieser erste EM-Lauf soll auch der Test sein für die Weltmeisterschaft, die im September ebenfalls in Hoppegarten stattfindet. Die 50 Fahrer aus ganz Europa müssen in Hoppegarten vier Rennen an zwei Tagen bestreiten. Die Europameister in den verschiedenen Klassen (von der Formel N bis zur Formel 1) werden aber erst in Birmingham feststehen. Dort findet im Juli nach Bordeaux und Bremen der letzte EM-Lauf statt.

Klaus Bönighausen gewinnt am Wochenende keines der vier Rennen. Es siegt jeweils Conrad Beale, der britische Weltmeister. Ausgerechnet Beale. Der soll von Bönighausen in dieser Saison nicht nur „in die Geschichte verwiesen werden“. Er baut auch die Boote des Deutschen.

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