Luka Pavicevic : ''Alba braucht keinen Retter''

Basketballtrainer Luka Pavicevic sprach mit dem Tagesspiegel über seinen neuen Klub, seine Akribie – und nicht über seine Spieler.

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Alba-Trainer Luka Pavicevic -Foto: Wende

Stimmt es, dass Sie sich im Besprechungsraum der Max-Schmeling-Halle auf jeden einzelnen Stuhl gesetzt haben, um zu überprüfen, wie die Sicht auf den Fernseher ist?

Meiner Meinung nach ist das nichts, worüber man schreiben müsste.

Wir finden das aber interessant, weil es erzählen kann, wie akribisch Sie arbeiten.

Als wir den Konferenzraum organisiert haben, wollte ich wissen, ob alles in Ordnung ist. Der Raum ist klein, und ich wollte sicher gehen, dass unsere Besprechungen produktiv sind. Aber ich mache das nicht jedes Mal.

Geschäftsführer Marco Baldi sagt, Alba hätte schon einmal einen Trainer gehabt, der jedes Detail wissen wollte: Svetislav Pesic.

Über alles Bescheid zu wissen, gehört zum Job eines Trainers, er ist ja am Ende für Erfolg oder Misserfolg verantwortlich. Vor allem für Misserfolg.

Sind die Fußstapfen von Svetislav Pesic nicht etwas zu groß für Sie?

Wieso, ich habe Größe 46 und er hat Größe 43 oder 44 (lacht).

Sie sind besser als ein Trainer, der Welt- und Europameister wurde?

Ich habe Ihre Frage schon verstanden. Ich bin seit fünf Jahren Trainer, aber seit 25 Jahren in den ersten Ligen des Basketballs. Da habe ich eines gelernt: Es ist unmöglich in die Fußstapfen eines anderen zu steigen. Jeder ist ein Individuum. Ich kann diesen Vergleich nur als Kompliment nehmen. Ich fände es großartig, wenn ich sein Niveau als Trainer und Mensch erreichen würde.

Bei Alba hat es für Sie gut angefangen, im ersten Spiel haben Sie Quakenbrück geschlagen, jenen Verein, der Alba in der letzten Saison im Viertelfinale aus den Play-offs geworfen hat...

... aber wir haben noch viel zu tun. Uns fehlt der erste Aufbauspieler, wir werden die gesamte Saison lang herausgefordert werden.

Warum hat dann in Quakenbrück der aktuell zweite Aufbauspieler im Team, Nicolai Simon, nicht gespielt?

Über einzelne Spieler rede ich grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit. Deswegen kann in diesem Interview dazu nichts sagen.

Dann lassen Sie uns über Demond Greene sprechen, der zählt ja nicht mehr zu Ihrem Team.

Das macht keinen Unterschied, ich spreche grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit über einzelne Spieler, auch nicht, warum Demond Greene, Koko Archibong oder Chris Owens nicht mehr hier sind. Damit würde ich Insider-Informationen ausplaudern.

Dann lassen Sie uns über Allgemeineres reden. Wie beurteilen Sie die Situation des deutschen Basketballs?

Fünfter bei der Europameisterschaft zu werden, ist eine Leistung, über die sich die deutsche Basketballgemeinschaft nur freuen kann. Aber das betrifft nur die Nationalmannschaft. Wenn Sie den gesamten deutschen Basketball meinen, ist das eine andere Frage. Da läuft es nicht gut, weil es zu viele Ausländer gibt, nicht nur in der Ersten Liga sondern auch in der Zweiten Liga. Das verhindert die Entwicklung von neuen Spielern, die für die Nationalmannschaft in Frage kommen würden.

Gehört es auch zu Ihren Aufgaben bei Alba, deutsche Spieler zu fördern?

Es ist immer Aufgabe eines Trainers, Spieler zu entwickeln, unabhängig von ihrer Nationalität, Religion oder Hautfarbe. Aber der Schutz deutscher Spieler sollte so bewerkstelligt werden wie in den anderen europäischen Ligen auch. Weniger Ausländer in der Liga, das würde die Situation deutscher Spieler wesentlich verbessern.

Sie haben im Sommer Ihre Personalvorstellungen durchsetzen können. Ist es nicht vorteilhaft für Sie, zu einem Zeitpunkt zu Alba zu kommen, an dem der Klub sportlich am Boden ist?

Es ist nicht so, dass ich hier alles geändert hätte. Da war auch ein Wille von Alba. Dass Alba zum vierten Mal nicht Meister geworden ist, ist vielleicht traumatisch für Alba und seine Fans. Aber grundsätzlich ist Alba immer an der Spitze gewesen in dieser Zeit. Das sollte nicht unterschätzt werden. Dieser Klub braucht keinen Retter, weil er nicht gerettet werden muss. Alba ist in jedem Jahr ein starkes Programm, das einen Weg sucht, um auf das nächste Level zu kommen. Für Alba bedeutet das immer den Druck, den deutschen Meistertitel zu gewinnen und in die Europaliga zu kommen. Das ist es, was mich wirklich angezogen hat, das ist eine Situation, die Trainer und Spieler fordert und Karrieren verbessert.

Eines aber machen Sie anders als Svetislav Pesic: Sie lassen Journalisten beim Training zusehen.

Es ist besser für jeden Trainer, wenn keiner zusehen darf. Aber dies ist ein anderes Zeitalter als vor zehn Jahren, und da können gewisse Regeln gelockert werden. Ich sehe da keinen großen Schaden. Aber bei anderen Regeln gibt es keine Kompromisse.

Das Gespräch führten Helen Ruwald und Benedikt Voigt

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