Berlin-Sport : Männer im Matsch

Auch bei schlechtem Wetter kämpfen Berlins Rugbyspieler um Punkte in der Liga – und gegen Vorurteile

Sophie Goetze

Es hatte den ganzen Vormittag geregnet. Auch danach blieb der Himmel grau verhangen. „Optimale Bedingungen für ein Rugbyspiel“, stellte Axel Kuzmik vom Berliner Rugby Club, dem BRC, fest. „Der Boden ist aufgeweicht, da tut es nicht so weh, wenn man fällt.“ Optimale Bedingungen? Der Platzwart des neuen Stadions der Hertha-Amateure sah das anders, er erklärte den noch jungen Rasen für unbespielbar. Kurzerhand wurde das Bundesligaspiel des BRC gegen den Deutschen Rugby Club aus Hannover in den Volkspark Jungfernheide verlegt.

Dem Wetter zum Trotz säumten etwa 60 Zuschauer das Spielfeld. Bei strahlender Sonne wären es auch nicht mehr gewesen. „Rugby ist in Deutschland leider sehr unpopulär“, sagte Colin Grzanna, der ebenfalls beim BRC spielt. Das liege wohl auch daran, dass der Sport für Laien sehr unstrukturiert, fast unkontrolliert aussieht. „Als ob es keine Regeln gibt“, sagte Grzanna. Aber natürlich gibt es die, und das Grundlegende ist schnell erklärt: Zwei Mannschaften mit je 15 Spielern treten gegeneinander an. Der Ball wird mit den Händen nach vorn getragen oder mit dem Fuß nach vorn getreten. Er darf aber mit den Händen – anders als beim American Football – nur nach hinten abgespielt werden. Ziel ist es, den Ball im gegnerischen Malfeld, einem Bereich hinter dem Spielfeld, abzulegen. Auf diese Weise erzielt man den so genannten Versuch, der mit fünf Punkten bewertet wird. Punkte bringt auch ein Kick des Balles über den Querbalken der Malstange.

Rugby ist ein Sport mit viel Körperkontakt, bei dem es auch mal ruppig zugeht. Beim Anblick der abgekämpften Männer mit ihren schlammverschmierten Trikots kann man sich fragen, was einen dazu bringt, Rugby zu spielen. „Das ist ein Mannschaftssport, der alles wunderbar kombiniert: Kraft und Kampf, Strategie, Schnelligkeit, aber auch Genauigkeit beim Passen und Kicken“, sagte Grzanna. Er muss es wissen, denn schon als Vierjähriger begann er mit dem Rugbyspielen. Seine Mutter stammt aus Südafrika, einem Land, in dem Rugby sehr beliebt ist. Beim Familienurlaub in deren Heimat lernte er den Sport frühzeitig kennen. „Schon als Zweijähriger habe ich den Ball nicht mehr aus der Hand gelegt.“

Jetzt ist er 24 und hat in der laufenden Saison 93 Punkte erzielt. Damit ist er der Topscorer der Bundesliga. Auch im Spiel gegen den Deutschen Rugby Club legte der Nationalspieler zwei Versuche – zum Sieg reichte es trotzdem nicht. Das Spiel endete mit 19:29 Punkten für den Gegner. Der Niederlage zum Trotz verließen die Spieler vom BRC erhobenen Hauptes den Platz. Die Gesichter aufgescheuert, bei einem Stürmer blutverschmiert. Mit einem Vorurteil können die Spieler alle gut leben: Rugby ist nur etwas für starke Männer.

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