Meister nach 47 Jahren : Berliner HC gewinnt Hockey-Titel

Der Berliner HC hat die deutsche Feldhockey-Meisterschaft gewonnen – es ist der erste Titel für die Männer seit 1965. Und gelungen ist das auch noch im eigenen Stadion.

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Gestellt. Robert Marx (links) und Till Führer (rechts) vom Berliner HC können Christopher Zeller von Rot-Weiß Köln erfolgreich stören. Die Berliner erkämpften sich am Sonntag im Stadion in Zehlendorf den Titel.
Gestellt. Robert Marx (links) und Till Führer (rechts) vom Berliner HC können Christopher Zeller von Rot-Weiß Köln erfolgreich...Foto: dpa

„Das war eine supergeile Saison, mehr kann ich dazu jetzt gar nicht sagen“, sagte Martin Häner, überragender Abwehrchef der Hockeyspieler des Berliner HC, überwältigt. Dann rannte er zur Mannschaft, die sich singend, tanzend, schreiend von ihren Fans feiern ließ. Der BHC hatte gerade die deutsche Feldhockey-Meisterschaft gewonnen – nach 47 Jahren wieder mal ein Titel für den BHC, und das im eigenen, im Zehlendorfer Stadion. 2:1 hatte die Mannschaft von Trainer Friedel Stupp das hoch eingeschätzte Team von Rot-Weiß Köln besiegt. BHC-Präsident Michael Stiebitz und viele andere BHC-Mitglieder und -Anhänger hatten Tränen in den Augen. Auch Carsten Keller, Olympiasieger von 1972, hatte es nach dem Abpfiff nicht auf der Tribüne gehalten. Er war aufs Feld geeilt, um zu gratulieren. „Das haben die jungen Burschen ganz abgebrüht gemacht“, sagte er.

Keller hatte zu jenen Aktiven gehört, die 1965 den bis dato letzten Feld-Meistertitel für den BHC geholt hatten. Der Triumph am Sonntag war kein Zufall, er hatte auch nichts mit Glück zu tun. Er war Lohn harter Arbeit, klar durchdachter Methodik und somit mehr als verdient. Rot-Weiß Köln hatte zwar insgesamt sieben Olympiasieger, trotzdem konnten die Gäste nicht gewinnen.

Dabei begann das Finale für den BHC nicht unbedingt optimal. „Da hat man gemerkt, dass die Erwartung im Klub groß war und dass es unser erstes Endspiel war. Der Vorteil lag klar bei Köln, wir haben nicht so befreit aufgespielt wie im 4:0-Halbfinale gegen Hamburg“, sagte Trainer Stupp. Er hatte bereits mit den Frauen des Vereins drei Meistertitel, zwei Pokalsiege und einen Europacup-Titel gewonnen. Seine Männer waren zu Beginn des Spiels immer einen Tick zu spät. Das aber änderte sich gegen Ende der ersten Hälfte. „In der zweiten Halbzeit dominierten wir dann“, sagte Stupp.

Das 1:0 für Köln hatte Daniel Montag in der 20. Minute erzielt. Den Ausgleich schoss Till Führer in der 28. Minute. Den Siegtreffer für den BHC markierte dann Anton Ebeling in der 50. Minute. Danach waren die Berliner weiteren Treffern näher als Köln dem Ausgleich.

Ebeling war nach dem Match fix und fertig. Er konnte seine Tränen nicht stoppen und meinte immer wieder: „Ich bin sprachlos!“ Unglaublich sei die Saison gewesen, und es „hat solch einen Spaß gemacht, in dieser Truppe zu spielen“. Dann sagte er noch: „Wir haben es geschafft, geschafft, geschafft und uns belohnt für eine supergeile Saison.“

Und Häner, der den Verein als „eine Herzensangelegenheit“ bezeichnete, sagte: „Das macht Lust auf Mehr.“ Nationalspieler Häner wurde zum wertvollsten Spieler der Endrunde gewählt. Die beiden Finalisten Berlin und Köln sowie Uhlenhorst Mülheim sind in der kommenden Saison für die Euro Hockey League qualifiziert.

Bei den Frauen machte Rot-Weiß Köln das Double perfekt. Der Klub hatte bereits den Hallentitel gewonnen, nun sicherte er sich gestern auch jenen im Feld. Gegen den favorisierten Titelverteidiger Uhlenhorster HC aus Hamburg setzten sich die Kölnerinnen mit 1:0 (0:0) durch. „Die Mädels haben unglaublich gearbeitet, sie haben Kopf und Kragen riskiert“, sagte Trainer Markus Lonnes nach dem vierten Feld-Titel in der Klubgeschichte (1998, 2003, 2007 und eben 2012), der in Anbetracht des Spielverlaufs durchaus kurios zu Stande gekommen war.

Denn obwohl der Uhlenhorster HC in der Neuauflage des Vorjahresfinales klar überlegen war, reichte den Kölnerinnen ein einziger Torschuss zum Sieg. Stefanie Schneider erzielte den Treffer. Der UHC konnte die Kölner Abwehr dagegen nicht überwinden. Hamburgs Trainer Kais al Saadi fasste die Begegnung treffend zusammen: „Wir waren in allen Belangen und Positionen überlegen, nur im Ergebnis nicht.“ Ein Trost blieb allerdings für die Hamburgerinnen: Beide Finalisten sind für den europäischen Wettbewerb qualifiziert.

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