Missbrauch in Sportvereinen : Abschreckung für die Täter

Mehrere Berliner Sportverbände haben auf Anregung des Landessportbunds (LSB) beschlossen, dass ihre Vereine von allen ehrenamtlichen Trainern, die regelmäßig Kontakt zu Minderjährigen haben, so genannte erweiterte Führungszeugnisse verlangen.

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Berlin - Michael Preetz war da, Henning Harnisch auch, und selbstverständlich fehlte auch Bob Hanning nicht. Der Hertha-Manager, der Alba-Sportdirektor und Nachwuchskoordinator und der Manager des Handball-Bundesligisten Füchse, sie bildeten eine Kulisse, die man auch benötigt, wenn man ein großes, vereinsübergreifendes Projekt vorstellt. Das Thema Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist gerade in den Schlagzeilen, da erhält dieses Projekt große Aufmerksamkeit, auch wenn es schon vor Monaten konzipiert worden ist. Mehrere Berliner Sportverbände haben auf Anregung des Landessportbunds (LSB) beschlossen, dass ihre Vereine von allen ehrenamtlichen Trainern und Übungsleitern, die regelmäßig Kontakt zu Minderjährigen haben werden, so genannte erweiterte Führungszeugnisse verlangen. Bis jetzt mussten hauptamtliche Betreuer obligatorisch ein Führungszeugnis vorzeigen, nun wird das Ganze auf den ehrenamtlichen Bereich erweitert.

Zudem erhalten die Vereine mehr Informationen. Im erweiterten Führungszeugnis werden auch Verurteilungen wegen Sexualstraftaten ausgewiesen, die bislang nicht aufgeführt wurden. Wenn ein Täter zu weniger als 90 Tagessätzen verurteilt wurde, hat das bislang niemand erfahren. Das ändert sich ab dem 1. Mai, dann können die Bürgerämter per Gesetz mehr Informationen herausgeben. Damit, sagte LSB-Jugendreferent Heiner Brandi, sollen mutmaßliche Täter besser erkannt werden. „Was Berlin macht, ist in dieser Form einmalig in Deutschland“, sagte Brandi.

Die Vereine erhalten nun mehr Infos über einschlägige Vorstrafen

Beim Berliner Fußballverband hatte es 2009 drei Fälle von Missbrauch gegeben, die bis zu einer Verurteilung vor Gericht führten. Möglicherweise wären die Täter gar nicht in ihre Position gekommen, wenn ihr erweitertes Führungszeugnis vorgelegen hätte. Zu den Organisationen, die gestern die Vereinbarung in einem Berliner Hotel unterschrieben haben, gehören unter anderem der Schwimmverband, der Turnverband, der Eissportverband und der Fußball-Verband. „Das ist ein Anfang, wir wollen natürlich alle Verbände noch ins Boot holen“, sagte Brandi.

Hertha-Manager Preetz erklärte: „Alle unsere Trainer sind lizensiert, aber wir werden sie natürlich zum Thema Missbrauch weiter schulen.“ Eine möglichst intensive Schulung von Trainern und Funktionären ist ebenfalls Teil des Projekts. Vereinsmitarbeiter sollen für Hinweise auf einen Missbrauch sensibilisiert werden. Beim Berliner Fußballverband erfolgt diese Schulung bereits in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei. Durchaus mit Erfolg: Zwölfmal bemerkten Vereinsmitarbeiter im BFV-Bereich im vergangenen Jahr ernst zu nehmende Hinweise auf einen mutmaßlichen Missbrauch.

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