Berlin-Sport : New York erlaufen

Wie Berliner Freizeitsportler den Marathon in Amerika erlebten

Mathias Klappenbach[New York]

Den ganzen Weg über waren schon ständig Glückshormone verbraucht worden. Im Ziel im Central Park hatten die meisten der 51 Läuferinnen und Läufer aber immer noch das Dauerlächeln im Gesicht, mit dem sie in den Stunden zuvor gefeiert worden waren. Zusammen mit 35 000 anderen Läufern und mehr als zwei Millionen Zuschauern hatten sie an der riesigen Party in New York teilgenommen, die Marathon heißt.

Im November ist es eigentlich schon kalt und ungemütlich, gestern aber waren es an einem wunderschönen Tag fast 25 Grad in der Sonne. Das ließ die ohnehin gute Stimmung bei der Laufbewegung des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), die sich auf die Reise nach Amerika gemacht hatte, noch weiter steigen. Nur Bernd-Roland Grosenick war ein bisschen geknickt, er musste seinen Start wegen Hüftproblemen am Sonntagmorgen absagen. Er wäre gerne zusammen mit seiner Frau gelaufen, nun fuhr er mit der U-Bahn zu verschiedenen Stellen in den fünf Stadtteilen von New York, um sie und die anderen anzufeuern.

„Es ist einfach fantastisch!“ Diesen Ausruf machten viele der von der Kulisse und der freundschaftlichen Atmosphäre überwältigten Läufer zu den feiernden Zuschauern, den vielen Musikbands am Straßenrand und ihren als Superman oder Rhinozeros verkleideten Mitläufern. Die drei von Trainern betreuten Gruppen, in die sich die Läufer der RBB-Bewegung entsprechend der Zeiten, die sich vorgenommen hatten, aufteilten, blieben nicht die ganze Zeit komplett zusammen. Da wurde mal einer, der etwas langsamer geworden war, von der nächsten Kleingruppe aufgenommen, andere fielen dann doch etwas zurück.

Aber wenn es gestern um eines nicht ging, dann war es die Zeit, die man dafür brauchte, New York auf diese ganz besondere Weise zu erlaufen. „Das war mein schönster Marathon“, sagte der Trainer Detlef Voigt nach dem Zieleinlauf. Voigt betreut den Ableger der RBB-Laufbewegung in Brandenburg an der Havel. Vom ersten Marathon, den die Gruppe vor dem Start um 10 Uhr 30 bereits hinter sich gebracht hatte, war nicht mehr die Rede. Das waren die Vorbereitungen.

Schon um kurz nach fünf hatte Nelia Barthel als Erste unten in der Hotel-Lobby gestanden. Ihre große durchsichtige Plastiktüte war mit Kleidung, Essen und Trinkflaschen gefüllt. „Das sieht ja aus wie bei einem Einwanderer, der mit dem Schiff nach Amerika kommt“, sagte die von den Philippinen stammende Nelia und lachte wie ein junges Mädchen, das sich auf eine spannende Verabredung freut. Das große Schild mit ihrem Vornamen hatte sie über ihrer Startnummer auf das rote T-Shirt geklammert. Jeder der Zuschauer an der Strecke konnte sie so persönlich anfeuern. Dass sie vor 24 Jahren als erwachsene Frau nach Deutschland gekommen ist, möchte man ihr nicht glauben, weil die 47-Jährige wie eine Mittzwanzigerin aussieht.

Sie lief bereits ihren dritten Marathon, genauso wie Petra Folgner. Auch Petra Folgner strahlte über das ganze Gesicht. Sie war schon um 3 Uhr aufgewacht, mit der gleichen ansteckend guten Laune, die sie in den vergangenen Tagen in New York in die Gruppe gebracht hatte. Obwohl sie eigentlich schneller laufen könnte, schloss sie sich der Laufgruppe an, die fünf Stunden bis zum Ziel anpeilte. „Dann kann man das alles noch intensiver erleben“, sagte sie.

Auch Petra Folgner nahm man ihr Alter, „Jahrgang 1949“, nicht ab. Ihren ersten Marathon ist sie in Berlin gelaufen, den Startplatz hatte sie beim RBB gewonnen. Durchhalten wollte sie eigentlich nicht, weil sie nur kurze Zeit trainieren konnte, aber dann hat sie es doch geschafft. Gestern lief sie zum zweiten Mal in New York, und irgendwann dann doch vor ihrer Gruppe.

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