No Dice : Icke and Rush - Berliner Fußball auf Englisch
18.10.2012 22:04 UhrViele Freizeitkicker finden es aufregend, englische Texte über ihren Klub zu lesen
Als die drei mit der Arbeit am Magazin loslegen, geschieht das aus reiner Leidenschaft und ohne große Illusionen auf Erfolg, auch heute lässt sich mit der Zeitschrift kein Geld verdienen. „Berliner Fußball, noch dazu auf Englisch – das ist eine so winzig kleine Nische, das kann eigentlich gar nicht funktionieren“, sagt Ian Stenhouse.
Dass „No Dice“ dennoch viel Zuspruch bekommt und trotz komplettem Verzicht auf Werbung und Anzeigen immerhin die Unkosten wieder einbringt, liegt auch an einer Leserschaft, mit der die drei am Anfang gar nicht rechnen: Berliner, Hobbyfußballer, Fans – die Protagonisten des Sports selbst. „Wir hatten eher an internationale Fußballfans gedacht, die sich ein wenig über den Berliner Fußball informieren wollen. Aber viele unserer Leser sind Deutsche aus Berlin. Die wissen den etwas anderen Blickwinkel zu schätzen“, erzählt Stephen Glennon. „Viele finden es aufregend, mal auf Englisch über ihren Verein oder ihre Liga zu lesen.“
In der Tat besetzt „No Dice“ eine völlig eigene Nische. Streng genommen gibt es nicht einmal auf Deutsch ein Magazin, das das Augenmerk auf den Charme des ungeschminkten Fußballs jenseits der bloßen Ergebnis-Berichterstattung sowie auf die Geschichte der vielen Berliner Klubs legt. Und dabei keine Hierarchien zwischen den großen Profivereinen und den kleinen Kreis- und Freizeitligateams kennt.
Auf seinen Fotos konzentriert sich Stenhouse oft weniger auf die Spieler als auf das architektonische Umfeld der Berliner Sportanlagen, irgendwo zwischen Plattenbauten, Schulhöfen und Gitterzäunen. Sweetman und Glennon sind ebenfalls Woche für Woche unterwegs, ob beim 1. FC Union, bei Tennis Borussia, beim Wartenberger SV II oder bei der Seniorentruppe des NSC Marathon. Die vielen Bilder, Spielberichte und Reportagen veröffentlichen sie auf ihrer Internetseite als Ergänzung zum Magazin.
Dass sie dabei nicht von kommerziellen Absichten sondern vor allem von Herzblut und Spaß an der Sache angetrieben werden, merkt man den Fotos und Geschichten deutlich an. Die Artikel handeln vom Kribbeln bei Türkiyemspors Heimkehr-Spiel an die alte Kreuzberger Wirkungsstätte oder vom kalten Schweiß, der Sweetman vor lauter Nervosität und Ehrfurcht den Rücken hinunterlief, als er Unions Trainer Uwe Neuhaus gegenüber saß und sich mit seinem holprigen Deutsch durchs Gespräch kämpfte. „No Dice“ ist nicht nur ein sehr persönliches Projekt, sondern auch eine Art Familienbetrieb. Sweetmans Frau Emily steuert die Zeichnungen bei, die in sanften Wasserfarben und schlichten Motiven den Heften einen speziellen Anstrich geben. Ians elfjähriger Sohn Vincent malt für die Rückseite jeder Ausgabe Porträts von Berliner Fußballern.
Dass „No Dice“ in einer beliebigen anderen Stadt funktionieren könnte, glaubt Jacob Sweetman nicht: „Es hätte einfach nicht diese Tiefe. So viele Traditionsvereine findet man nirgendwo sonst“, meint der einstige Musiker, der bevor er nach Berlin kam, nie nennenswert als Autor aktiv war. Erst Berlin mit seinem riesigen Fußballuniversum habe in ihm den Drang geweckt zu schreiben. Ähnlich erging es Ian Stenhouse, der ebenfalls schon immer Fußballfan und auch schon immer Hobbyfotograf war, aber erst in Berlin anfing, seine Kamera mit zu den Spielen zu nehmen.
„No Dice“ erscheint vierteljährlich. Die gedruckten Ausgaben sowie eine pdf-Version sind gegen eine Spende auf www.nodicemagazine.com erhältlich. Fotos von Ian Stenhouse sind derzeit in der Fußballkneipe „Schwalbe“, Stargarder Straße 10 in Berlin-Prenzlauer Berg ausgestellt.










