Berlin-Sport : Nur zur Hälfte nass

Aquaball ist die einfache Variante des Wasserballs

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Vor etwa sieben Jahren fing alles mit einem Anruf an. Daraufhin fuhren eine Hand voll Wasser liebende junge Menschen von Berlin Richtung Süden nach Bayern. In Dachau fand das erste AquaballTurnier der Welt statt. Die Berliner sind gefragt worden, ob sie nicht mitmachen wollten. „Wir haben spontan ja gesagt und uns im Bully die Regeln durchgelesen“, sagt Sejm Velic, einer der damaligen Pioniere. Der 29-Jährige ist immer noch aktiv dabei. Am Samstag fand im Kombibad Mariendorf der große deutsche Aquaball-Pokal statt. Velic spielte beim Gastgeber SC Welle Berlin, das Team heißt: Haie Berlin.

Dabei ist der Name schon das Gefährlichste an der Sportart. Denn Aquaball ist das genaue Gegenteil - überhaupt nicht vergleichbar mit dem älteren und körperbetonten Bruder, dem Wasserball. Die zwei Meter breiten und einen Meter hohen Tore sind aufgeblasen und schwimmen auf dem brusttiefen Wasser. Die Spieler bewegen sich entweder schwimmend oder laufend vorwärts, wobei sie dann mit den Armen und Händen das Wasser wegpaddeln. So erinnert die Fortbewegung manchmal an Planschen im Freibad. Und dieser Eindruck soll auch nicht trügen.

„Das Wichtigste bei den Turnieren ist immer der Spaß“, sagt Sergio Olivares von den Haien Berlin. Der 22-jährige Student ist dem Sport seit vier Jahren verfallen, mittlerweile ist er auch Aquaball-Wart beim SC Welle. Aus den Lautsprechern im Hallenbad dröhnt Musik, hauptsächlich Reggae. In Bayern wird meist Rock gespielt, sagt Olivares, das hängt allein vom DJ ab. Manche wippen mit oder feuern ein Team an. Die Musik wird ab und zu vom Aufklatschen des Balles gestört, ein weicher Beachvolleyball, der niemandem wehtut. Ein offizieller Wasserball ist sehr viel härter. Eine blutende Nase würde auch die entspannte Atmosphäre im Bad stören. Die rund 70 Spieler der zwölf Teams aus ganz Deutschland kennen sich, alles ist sehr freundschaftlich. Die erste Regel heißt auch: Fairplay. Einen Schiedsrichter gibt es nicht, nur einen Spielbeobachter. Berühren ist verboten, die Fouls sollen selbst angezeigt werden. Der DSV hatte Mitte der Neunzigerjahre nach einem Spiel gesucht, das dem Zeitgeist entsprechen und für jedermann spielbar sein sollte. Volleyball hatte Beachvolleyball, Basketball Streetball und Fußball Beachsoccer. So erfand der Breitensport-Referent Wolfgang Lehmann das Aquaball. Eine Symbiose aus Leistung und Spaß, je nach Motivation. Und der Hai Sejm Velic ist seit 2001 dafür zuständig, als DSV-Referent für Funsport und Events. Aquaball ist bisher noch der einzige Funsport, aber immerhin.

Ambitioniert ist es beim Pokal in Mariendorf trotzdem zugegangen. Die zweimal sieben Minuten schlauchen die je vier Spieler pro Team doch sichtlich. Zwar darf sich der Ball führende Spieler nicht bewegen, dafür müssen sich die drei anderen frei in Position bringen.

Einem Aquaball-Neuling klappern beim letzten Spiel die Zähne im Wasser. Aber er wird auch noch lernen, sich zwischen den Spielen warm zu halten. So wie die Spieler von den Haien Berlin, die das Turnier schließlich im Finale gegen die Soester Haie gewonnen haben.

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