Oberliga : Berliner Klubs im Abstiegskampf

Tennis Borussia, Reinickendorfer Füchse, Lichterfelder FC - gleich drei Berliner Vereine kämpfen in der Oberliga gegen den Abstieg. Mindestens einer wird wohl den Gang in die sechstklassige Berlin-Liga antreten müssen, zuversichtlich geben sich aber alle drei.

von
Immer montags werfen wir hier einen Blick auf den Berliner Fußball.
Immer montags werfen wir hier einen Blick auf den Berliner Fußball.Foto: promo

Die Oberliga-Saison hat einiges an Spannung verloren, was in erster Linie am Aufstiegsverzicht fast aller Spitzenmannschaften liegt. So steht der BAK 07 als Aufsteiger fest, in der letzten Woche erteilte der DFB dem Verein aus dem Poststadion die Regionalliga-Lizenz. BFC Dynamo und 1. FC Union II hingegen stehen im gesicherten Mittelfeld. Einzig im Tabellenkeller kann noch viel passieren, und gerade aus Berliner Sicht ist der Abstiegskampf in diesem Jahr besonders interessant.

Wenn man nämlich den Ludwigsfelder FC, Schlusslicht mit neun Punkten Rückstand auf das rettende Ufer, mal ausklammert, kämpfen drei Haupstadtklubs um den 13. Tabellenplatz. Auf diesem steht aktuell der Lichterfelder FC, mit einem Abstand von jeweils zwei Punkten folgen die Reinickendorfer Füchse und Tennis Borussia. Drei Abstiegsplätze gibt es, wobei der Drittletzte noch eine weitere Chance in der Relegation bekommen könnte - vorausgesetzt, es steigt nur ein NOFV-Nord-Klub aus der Regionalliga ab. Das wiederum steht und fällt in diesem Jahr mit dem Schicksal des 1. FC Magdeburg, der nur noch mit hauchdünnem Vorsprung auf dem rettenden 14. Platz der Regionalliga Nord steht.

Damit könnte es also zwei der drei abstiegsbedrohten Berlin-Vertreter erwischen, die Brandenburger Teams SV Altlüdersorf und Germania Schöneiche liegen allerdings ebenfalls noch in Reichweite. In den letzten fünf Saisonspielen ist somit noch viel möglich.

Tennis Borussia: Besser als erwartet

Bei Tennis Borussia ist man sehr optimistisch, die nötigen Punkte noch zu holen. So sei laut TeBe-Vorstizendem Andreas Voigt gerade in letzter Zeit eine deutliche Leistungssteigerung zu erkennen gewesen, die zuversichtlich stimmt. Doch auch ein Abstieg wäre laut Voigt zu verkraften, schließlich hätte man ohnehin von Anfang an damit gerechnet. Nach Insolvenz und Zwangsabstieg mit den üblichen Begleiterscheinung wie Spielerschwund und einem streng begrenzten Budget, sah es zu Saisonbeginn in der Tat so aus, als würden die Charlottenburger direkt durchgereicht. „Der Abstieg wäre eigentlich der Normalfall gewesen, niemand bei uns hat damit gerechnet, zum jetzigen Zeitpunkt noch eine Chance auf den Klassenerhalt zu haben“, so Voigt. Daher sei man auf die Berlin-Liga auch vorbereitet, sollte der Weg tatsächlich dorthin führen, will aber im Fall der Fälle die schnellstmögliche Rückkehr in den überregionalen Fußball. „Wir werden kein finanzielles Risiko mehr eingehen und unseren aktuellen Weg weiter verfolgen, trotzdem sollte es möglichst sofort wieder nach oben gehen.“

Lichterfelder FC: Berlin-Liga ist kein Weltuntergang

In Lichterfelde sieht man die Situation noch entspannter, den Eindruck vermittelt zumindest der LFC-Vorsitzende Olaf Fechner. „Bei einem Abstieg geht die Welt nicht unter, als Verein sehen wir uns in der Berlin-Liga vielleicht sogar besser aufgehoben als in der Oberliga.“ Damit spielt Fechner auf die hohen finanziellen Anforderungen und die schlechten sportlichen Perspektiven in der Oberliga an, an denen auch die Strukturreform der Regionalligen 2012 aus seiner Sicht nicht wirklich etwas ändern wird. Einzig aus sportlicher Sicht wäre es schade, so der LFC-Präsident. „Für die Jungs ist es natürlich reizvoller, überregional und in schönen Stadien zu spielen, anstatt ausschließlich in Berlin auf teilweise kleinen Kunstrasenplätzen vor 15 Zuschauern.“

Somit dürfte auch weiterhin genug Ehrgeiz vorhanden sein, den Klassenerhalt zu sichern. Und auf dem Weg dahin steht dem LFC eine entscheidende Woche bevor: Erst kommt am Dienstag Germania Schöneiche (Beginn 19:30), die man mit einem Sieg überholen und so noch mit in den Abstiegskampf ziehen könnte. Am Sonnabend dann steigt das Derby gegen Tabellennachbar Reinickendorfer Füchse am Ostpreußendamm (Beginn 14:00).

Reinickendorfer Füchse: Neuaufbau mit junger Truppe

Für die Füchse ist das Gastspiel in Lichterfelde ebenfalls richtungsweisend. Ein Sieg könnte dem Klub aus dem Berliner Norden eine gute Ausgangsposition verschaffen, zumal man auch noch zu Hause gegen das Schlusslicht Ludwigsfelder FC spielt, wo die Chancen auf weitere drei Punkte sicherlich nicht schlecht stehen. Ohnehin läuft es bei den Reinickendorfern besser als von vielen im Winter prognostiziert, als der Vorstand hinschmiss und einen Scherbenhaufen hinterließ. „Wir wurden vom Vorstand im Stich gelassen, Versprechen wurden nicht eingehalten, Gehälter nicht bezahlt“, erzählt Pierre Schönknecht, Jugendleiter und seit dem Umbruch im Winter auch Vorsitzender der Fußball-Abteilung. Als Folge wanderte auch ein Großteil der Mannschaft ab, vor allem die Leistungsträger, wodurch Schönknecht und sein Team einen kompletten Neuaufbau mit einer jungen, unerfahrenen Mannschaft starten mussten. Das scheint bislang verhältnismäßig gut zu funktionieren.

So ist aus dem preiswert zusammengeschusterten Abstiegskandidaten eine weiterhin konkurrenzfähige Truppe geworden, deren Rückrundenbilanz jetzt schon fast besser ist als die der Hinrunde. „Wir sammeln Pünktchen für Pünktchen und hoffen weiter auf den Klassenerhalt“ so Schönknecht. Im Falle eines Abstiegs in die Berlin-Liga müsste sich der Klub wohl erstmal neu orientieren und zusehen, nicht durchgereicht zu werden. „Die Klasse zu halten ist immer einfacher als ein Aufstieg, deshalb wollen wir den Gang in die Berlin-Liga auf jeden Fall vermeiden. Sollten wir trotzdem absteigen, müssen wir erst mal wieder Fuß fassen, bevor wir den Wiederaufstieg anpeilen können.“

Für Spannung ist also gesorgt, sowohl in den direkten Duellen wie z.B. am kommenden Samstag in Lichterfelde oder bei Germania Schöneiche gegen Tennis Borussia am 28. Spieltag, wie auch in den Fernduellen. Diese gewinnen vor allem dadurch an Brisanz, dass es praktisch für alle anderen Klubs schon jetzt um nichts mehr geht. Mit Überraschungserfolgen der Kellerkinder gegen unmotivierte Kontrahenten könnte also zu rechnen sein.

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar