Oberliga : BFC fürchtet sich vor Hertha-Effekt

Immer montags werfen wir einen Blick auf den Berliner Fußball. Heute: Der BFC Dynamo setzt auf eine junge, lernwillige und vor allem kostengünstige Mannschaft - und vergurkt den Saisonstart.

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Neues Logo, alte Probleme: Der BFC sitzt in der Oberliga fest.
Neues Logo, alte Probleme: Der BFC sitzt in der Oberliga fest.Foto: promo

Beim BFC Dynamo hatte man sich den Start in die neue Oberliga-Saison ganz anders vorgestellt. Gerade einmal drei Punkte holte der DDR-Rekordmeister bisher. Am Wochenende unterlag der BFC zu Hause im Sportforum dem Berliner Athletik Klub mit 0:1. Es war die vierte Niederlage im fünften Saisonspiel. Trainer Heiko Bonan will in diesem Fall auch nichts beschönigen: „Wir haben den Saisonstart total verhauen. Drei Punkte liegen ganz eindeutig unter dem, was wir uns erhofft hatten.“

Dabei waren die Erwartungen vor dieser Saison deutlich geringer als in den Jahren zuvor. Nachdem Dynamo in der vergangenen Saison erneut am Aufstieg in die Regionalliga scheiterte, trennte sich der Verein von vielen erfahrenen Leistungsträgern. In den Jahren zuvor hatte der BFC immer wieder versucht, mit gestandenen Spielern der Oberliga zu entkommen – jedoch ohne Erfolg. Nun setzte bei den Verantwortlichen ein Umdenkprozess ein. Spieler wie Patschinski, Spork, Petrowsky, Kurbjuweit oder Thomaschewski verließen Berlin im Sommer oder beendeten ihre Karriere. Die neue Mannschaft sollte „jung, lernwillig und vor allem kostengünstig“ sein, wie Bonan sagt. Mit Martin Neubert und Norbert Lemcke kamen lediglich zwei Spieler zu Dynamo, die als „erfahren“ bezeichnet werden können. Ein Großteil der Spieler stammt aus dem Jugendbereich oder aus unteren Ligen. Dass diese Mannschaft nicht auf Anhieb um den Aufstieg mitspielen würde, war den Verantwortlichen im Verein klar, doch Trainer Bonan ist trotzdem enttäuscht von den letzten Auftritten: „Man kann mal Spiele verlieren, gerade wenn man noch nicht so eingespielt ist“, sagt er. „Mich ärgert aber die Art und Weise, wie wir die Punkte abschenken. Mit ein bisschen mehr Engagement und Einsatz hätten wir am Sonnabend zum Beispiel gegen den BAK nicht verloren.“

Das sieht auch Suat Kaygan, der sportliche Leiter des BAK, so: „Dynamo hätte das Spiel nicht unbedingt verlieren brauchen. Die hatten auch ihre Chancen aber wir waren etwas cleverer.“ Während sich der BFC als dreizehnter im Tabellenkeller befindet, ist der BAK nach dem fünften Sieg im fünften Spiel Spitzenreiter der Oberliga-Nord. „Der Start ist uns geglückt, das war eines unsere Ziele und ganz wichtig für den weiteren Saisonverlauf“, sagt Kaygan, der in der Sommerpause mit Doymus, Teichmann Häntschke und Stillenmunkes gleich mehrere höherklassig erfahrene Spieler zum BAK holen konnte. Folglich sind die Ziele bei den Weddingern auch andere als beim BFC Dynamo: „Wir wollen oben mitspielen und mit ein bisschen Glück vielleicht aufsteigen“, sagt Kaygan.

Davon kann Heiko Bonan nur träumen. Vielmehr sieht der BFC-Trainer bei seiner Mannschaft die Gefahr des „Hertha-Effekts“: „Es ist gefährlich zu glauben, wir hätten genügend Qualität und irgendwann wird es schon gehen. Die Spieler müssen sich umstellen. In der Oberliga reicht es nicht mehr, nur schön zu spielen. Sonst werden wir da unten so schnell nicht mehr rauskommen.“ 

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