Play-offs : Kopflos vor dem Aus: Albas Basketballer müssen Frankfurt dreimal in Serie besiegen

Der achtmalige deutsche Meister Alba Berlin steht in den Playoffs der Basketball Bundesliga vor dem frühzeitigen Aus. Die Berliner verloren am Donnerstagabend in Frankfurt auch das zweite Spiel der Viertelfinal-Serie "best-of-five" gegen die Deutsche Bank Skyliners mit 63:76 und liegen damit 0:2 zurück.

Helen Ruwald

Zwanzig Minuten nach Spielende kritzelten einige Basketballer der Skyliners Frankfurt immer noch ihren Namen auf Programmhefte und T-Shirts. Zuvor hatte sich das gesamte Team in der Ballsporthalle von Frankfurt-Höchst von den gut 5000 Zuschauern feiern lassen. Die Profis hatten sich T-Shirts mit dem Vereinsnamen übergezogen, auf denen nur der Schriftzug „Deutscher Meister 2010“ zu fehlen schien.

Was wie eine Meisterfeier ohne Sektdusche wirkte, waren ein 76:63-Sieg und die 2:0-Führung im Play-off-Viertelfinale gegen Alba Berlin. Wäre Alba in der Serie 2:0 in Führung gegangen, wären die Spieler wohl ihre obligatorische Ehrenrunde gelaufen und ohne größere Gefühlsaufwallungen in der Kabine verschwunden.

Es wäre für den Favoriten ein Zwischenschritt auf dem Weg zum angestrebten Titelgewinn gewesen, mehr nicht. Umso bedrohlicher ist nun für den Klub, dessen Play-off-Motto „Das Beste zum Schluss“ lautet, die Gefahr des Scheiterns. Die Frankfurter hingegen, die als Hauptrundensiebter in die Play-offs gegangen sind, können ihren Erfolg gegen den Zweiten kaum fassen. „Jetzt haben wir drei Chancen“, jubelte Frankfurts Pascal Roller. Drei Matchbälle sozusagen, um in der Best-of-five-Serie ins Halbfinale einzuziehen. Den ersten haben sie am Sonntag in Berlin (17 Uhr, Arena am Ostbahnhof). Alba hingegen muss die Frankfurter nun dreimal in Folge bezwingen.

Als die Feierlichkeiten der Gastgeber zu Ende gingen, stand Berlins Assistenztrainer Konstantin Lwowsky vor der Alba-Kabine und rief einem Frankfurter zu: „Glückwunsch, ihr spielt derzeit einen guten Ball!“ Lwowsky lachte dabei, als hätte er die Darbietungen genossen. Dabei waren die Frankfurter Stärken untrennbar mit den Berliner Schwächen verbunden. Ein 0:3-Debakel im Viertelfinale würde den Berlinern Hohn und Spott einbringen nach der heftigen Schiedsrichterkritik der vergangenen Wochen und den Klagen über vermeintliche Benachteiligung auf dem Weg zum Titelgewinn.

Am Donnerstag waren die Schiedsrichter kein Thema, Frankfurt traf elf Dreipunktewürfe, davon mehrere im letzten Moment der 24-Sekunden-Angriffszeit, durch eigenes Können – und Berliner Fehler. „Drei Viertel des Spiels waren wir eigentlich sehr gut“, sagte Lwowsky, Mitte des dritten Viertels führten die Gäste sogar 48:47. „Wir haben 21, 22 Sekunden gut verteidigt, aber man muss es 24 Sekunden tun.“ Den Skyliners gelang alles, was sie immer stärker machte. Alba, durch Rückstand in Serie und Spiel verunsichert, verlor das letzte Selbstbewusstsein und gab sich auf. „Wir waren kopflos“, gab Lwowsky zu. Auch Kapitän Julius Jenkins konnte keine Akzente setzen, keiner riss das Team noch einmal mit.

„Wir sind in einer gefährlichen Situation“, sagte Trainer Luka Pavicevic. „Wir müssen Stärke und Fokus finden und uns wieder aufrichten.“ Er dürfte bis zum Sonntag stundenlang analysieren und grübeln, wie er sein Team richtig einstellt. Steffen Hamann dagegen forderte dazu auf, „nicht viel zu denken“, sondern zu spielen – und zu siegen. Sonst ist nur zehn Tage nach Albas Ankündigung, eine starke Saison mit dem Meistertitel krönen zu wollen, alles vorbei. Ohne Krone, dafür mit vielen Scherben.

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