Berlin-Sport : Psychologe an der Platte

Wie Rudi Stumper 3B Berlin stärker macht

Jörg Petrasch

Manchmal reicht eine Serviette, um die Zukunft eines Vereins zu planen. Als sich Rainer Lotsch, Manager des Tischtennis-Bundesligisten 3B Berlin, und Rudi Stumper im Februar bei einem Turnier trafen, war gerade nichts anderes zur Hand. „Auf einer Serviette haben wir unsere Vereinbarung getroffen“, erzählt Lotsch.

Mittlerweile gibt es einen Vertrag, aber die Vereinbarung gilt noch. Der 45-jährige Rudi Stumper übernahm zu Beginn der Saison gemeinsam mit der Russin Irina Palina das Training des ETTU-Cup-Siegers. Bao Di, Stumpers Frau, spielt seitdem bei 3B an Position vier. Herausgekommen ist die Herbstmeisterschaft. Die Berlinerinnen sind immer noch unbesiegt in dieser Saison. Am Sonntag spielten sie gegen ihren Angstgegner Langweid nach 2:4-Rückstand noch 5:5.

Die Herbstmeisterschaft ist zwar kein offizieller Titel, sie zeigt aber deutlich den bisherigen Qualitätssprung der Mannschaft. Und das bestärkt Stumper, zumal viele Experten 3B vor der Saison auf den vierten Platz getippt hatten. Neben der sensationellen Bilanz von Bao Di (10:1-Siege), die nach einer Babypause ebenfalls von vielen unterschätzt wurde, hat Stumper einen großen Anteil am bisherigen Erfolg. Technisch kann der gebürtige Rumäne den Spielerinnen ein paar neue Schläge beibringen, wie etwa neue Varianten beim Rückschlag des gegnerischen Aufschlags. Die hat er aus dem Repertoire der Chinesen übernommen, erklärt Stumper.

Wichtiger ist Stumper allerdings die psychische Entwicklung: „Ich versuche, das große Selbstvertrauen, das der Trainer hat, den Spielerinnen mitzugeben.“ Bisher gelingt es. Die Berlinerinnen gewinnen die knappen Spiele. Allen voran die Weißrussin Veronika Pawlowitsch, die mit 13:0 Siegen die beste Bilanz im hinteren Paarkreuz der Liga hält.

Dafür wurde Stumper, der zuvor den Ligakonkurrenten TV Busenbach aus der Zweiten Liga zur Deutschen Vizemeisterschaft geführt hatte, auch geholt: für die Motivation im Training und im Spiel. So hat er elf Jahre lang seine Tochter Laura trainiert und die mittlerweile 20 Jahre alte Nationalspielerin zur erfolgreichsten Jugendspielerin Europas gemacht. Geholfen haben ihm dabei auch seine Erfahrungen als Bundesligaspieler in Reutlingen, Esslingen und Ochsenhausen. Als Spieler war Stumper zwar nie der eleganteste. Aber ein Kämpfer ist er immer gewesen, der nie aufgegeben hat und sein Team mitreißen konnte. So war es für ihn naheliegend, als Trainer zu arbeiten: „Das ist das, was ich am besten kann.“

Genau das passt bisher perfekt ins Gesamtkonzept von Manager Lotsch. Als einziger Verein der Bundesliga verfügt 3B über zwei etatmäßige Trainer. „Beide ergänzen sich sehr gut: die sensible Irina Palina und der kämpferische Rudi Stumper“, sagt Lotsch. Ein bis zwei Wochen vor den Spielen reist Stumper aus seinem südbadischen Wohnort Singen nach Berlin. Wenn er in der Halle ist, spielt Irina Palina mit der Mannschaft. Sie ist nach der Weltranglistenposition (69.) eigentlich zweitbeste Spielerin von 3B. Aus taktischen Gründen wird sie gelegentlich eingesetzt. Wenn Stumper nicht da ist, übernimmt die ehemalige Europameisterin das Training.

Vertraglich ist Stumper auf ein Jahr mit 3B verbunden, mit der Option auf Verlängerung. Danach sieht es bisher auch aus. Neben dem sportlichen gibt es für Stumper noch einen anderen Grund, in der Hauptstadt zu bleiben: „Meine Frau kommt aus Peking, Berlin kann ihr in Deutschland am meisten bieten.“

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