Regionalliga Reform : "Für den Amateurfußball ist das tödlich"

Immer montags werfen wir einen Blick auf den Berliner Fußball. Heute: Der DFB-Bundestag hat eine Aufstockung der Regionalliga beschlossen. Welche Auswirkungen hat diese Reform für die Berliner Amateurvereine?

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Jeden Montag werfen wir hier einen Blick auf den Berliner Fußball.
Jeden Montag werfen wir hier einen Blick auf den Berliner Fußball.Foto: promo

Ende letzter Woche sickerte es bereits durch, am Wochenende wurde die Regionalliga-Reform auf dem DFB-Bundestag offiziell verabschiedet. Ab der Saison 2012/13 wird die derzeit dreigleisige Regionalliga auf fünf Staffeln aufgestockt. Die Reservemannschaften der Profivereine dürfen weiterhin mitspielen, ihre Anzahl wird jedoch auf sieben pro Staffel begrenzt. Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) erhält eine eigene Regionalliga, in der die sechs Landesverbände Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vertreten sein werden. Die Reform wird allgemein eher als Zugeständnis an die Profivereine gewertet, auch wenn es durch die Beschränkung der Reserveteams sowie die Senkung der Stadion-Auflagen auch positive Änderungen für die Amateurvereine gibt.

Auch bei den Berliner Klubs ist der Tenor der, dass die Reform für die kleinen Vereine sehr unbefriedigend ist und lediglich die Interessen der zahlungskräftigen Profiklubs bedient. Olaf Fechner, Vorsitzender des Berliner Oberligisten Lichterfelder FC sieht die Reform zwar grundsätzlich als Verbesserung gegenüber dem Status Quo, letztlich ist sie aber noch längst nicht ausreichend. „Es ist gut, dass die Stadion-Auflagen gesenkt wurden, trotzdem ist das finanzielle Risiko in der Regionalliga weiterhin zu hoch.“ Vor allem die Streichung der Fernsehgelder ist für Fechner ein Unding, so sei die Regionalliga für knapp haushaltende Klubs wie den LFC kaum erstrebenswert. Die Lichterfelder sind Gründungsmitglied der Oberliga und von allen Mannschaften dort am längsten dabei. Der Klub hat sich folglich gut eingerichtet und nie in Betracht gezogen, nach Höherem zu streben. „Als Oberligist steht man vor der Entscheidung, sich entweder dort zufrieden zu geben, oder einen finanziellen Kraftakt zu wagen“ so Fechner. Und an dieser Situation habe sich auch durch die neuste Reform nichts geändert.

Ali Han, Präsident des BAK 07 findet noch drastischere Worte: „Es wurden nur die Wünsche der Profivereine erfüllt. Ohne Fernsehgelder und mit der Konkurrenz der Reservemannschaften werden sehr viele Amateurklubs in der Regionalliga kaputt gehen.“ Hans Verein ist aktuell Tabellenführer der Oberliga Nord, ob er jetzt aber an den Aufstiegsambitionen festhalten kann, ist noch offen. „Wir müssen erstmal die weiteren Änderungen abwarten und uns dann neu orientieren“ so Han. Gerade jetzt, also ein Jahr vor Inkrafttreten der Reform, wäre ein Aufstieg in die Regionalliga ein Wagnis, da es dort in der nächsten Saison zum großen Sturm auf die vorderen Plätze kommen könnte. „Wahrscheinlich werden im nächsten Jahr die ersten vier oder fünf Mannschaften in die neue Regionalliga aufsteigen, viele Vereine werden investieren, um mit dabei zu sein. Da wird es sehr schwierig die Klasse zu halten, wenn man kein finanzielles Risiko eingehen möchte“ sagt der BAK-Vorsitzende.

Ob es nach der Reform überhaupt noch eine Oberliga geben wird, liegt in der Entscheidung der jeweiligen Landesverbände. Hier ist eine Entscheidung oder zumindest eine Tendenz frühestens auf der NOFV-Sitzung Anfang Dezember zu erwarten. Erst dann werden die direkten Auswirkungen für die Vereine unterhalb der Regionalliga ersichtlich.

Bleibt es bei einer zweigleisigen Oberliga, müsste nach oben aufgestockt werden. Einige Teams aus der Berlin-Liga würden folglich in die Oberliga rücken. Eine zwiespältige Angelegenheit für die Klubs. Einerseits wäre dies eine sportliche Aufwertung, gleichzeitig kommen in der überregionalen Oberliga aber auch wesentlich höhere Personal- und Fahrtkosten sowie strengere Satdion-Auflagen auf die Vereine zu.

Fällt die Oberliga weg, was angesichts der ohnehin angespannten Lage wahrscheinlicher ist, findet die Aufstockung in die umgekehrte Richtung statt. Im Übergangsjahr gäbe es dadurch eine erhöhte Anzahl an Absteigern in allen unteren Ligen bis zur Kreisliga C. Der Vorteil für die Berlin-Liga wäre der, dass namhafte Klubs wie Tennis Borussia oder der BFC Dynamo zurückkehren könnten, wodurch die Liga insgesamt attraktiver würde und mehr Zuschauer und Sponsoren anlocken könnte. Allerdings wäre dann der Übergang zur Regionalliga zu rasant. „Von der Berlin-Liga direkt in die Regionalliga, mit teuren Auswärtsreisen und Spielergehältern, das wäre für fast jeden Verein bei uns zu heftig“ sagt Hans Schuhmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Berlin-Liga. Und selbst die aufstiegwilligen Klubs hätten es in Zukunft noch schwerer, da der Berliner Meister zusätzlich noch in die Aufstiegs-Relegation gegen den Meister eines anderen Landesverbands des NOFV gehen müsste.

Schuhmann sieht durch die Reform ein weiteres Wachsen der Kluft zwischen Profi- und Amateurfußball. „Für den Amateurfußball ist das tödlich, es wird zu vielen Pleiten und Fusionen kommen“ Die Berlin-Liga würde demnach ein Sammelbecken für Klubs, die sich als Amateurvereine sehen und es nicht wagen, die Grenze zum überregionalen Fußball zu durchbrechen. Und die Anzahl dieser Vereine wird bei den trüben Aussichten wohl weiter steigen. So könnte man sich auch beim LFC mit der Berlin-Liga abfinden, sollte die Oberliga gestrichen werden. „Wir bleiben dann ja immer noch fünftklassig, außerdem bring es mehr attraktive Gegner und mehr Berlin-Derbys“ sagt Olaf Fechner. Die überregionalen Spiele würde er aber dennoch vermissen, seien sie doch gerade für die jungen Spieler eine tolle Erfahrung. „Mit dem Mannschaftsbus nach Schöneiche oder Torgelow zu fahren und dort in einem reinen Fußballstadion auf schönem Rasen zu spielen, das hat schon einen Hauch von Profifußball“

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