Berlin-Sport : SCC stürzt den Tabellenführer

Die Berliner Volleyballer schlagen Düren 3:1, weil sie in der Annahme sicherer sind als der Gegner

Karsten Doneck

Luiz Roque Carvalho erweckte den Eindruck, als sei er gekommen, um die Inneneinrichtung der Sömmeringhalle zu zertrümmern. Mit solcher Urgewalt ließ der Puerto Ricaner beim Einschlagen vor dem Spiel die Bälle aufs Parkett krachen. Als es im Spitzenspiel der Volleyball-Bundesliga gegen den SC Charlottenburg dann ernst wurde, war es mit der Wucht des Mittelblockers vom Volleyball-Bundesligisten Evivo Düren schnell vorbei. Und weil auch der Rest der Dürener eher matt und kraftlos wirkte, kam der SCC zu einem überraschend klaren 3:1 (25:18, 20:25, 25:17, 25:17)-Sieg vor 1700 Zuschauern. Düren hatte noch in der vorigen Saison im Meisterschafts-Halbfinale sensationell den SCC ausgeschaltet.

„Uns hat sicher etwas die Spritzigkeit gefehlt“, gab Dürens Trainer Bernd Werscheck nachher zu. Dass seine Mannschaft der hohen Belastung in dieser Saison durch die zusätzlichen Aufgaben in der Champions League jetzt langsam Tribut zollt, wollte Werscheck aber nicht als Ausrede für die erste Saisonniederlage gelten lassen. „Wir haben einfach mal verloren gegen eine Mannschaft, die an diesem Tage besser war als wir“, sagte er.

Den SCC baute möglicherweise ein Schlüsselerlebnis zu Beginn der Partie auf. „Da haben wir Heriberto Quero gleich zweimal im Block erwischt. Dadurch haben wir ihm so ein bisschen den Zahn gezogen“, stellte SCC–Trainer Michael Warm fest. Ausgerechnet Quero. Von dem Diagonalangreifer schwärmt derzeit die ganze Bundesliga. „Der hat einen sehr guten Lauf“, hatte Bernd Hummernbrum, Manager des Deutschen Meisters VfB Friedrichshafen, Quero noch während der Woche bescheinigt. „Den zu stoppen, wird verdammt schwer“, hatte SCC-Manager Kaweh Niroomand vorab gewarnt. Doch in Berlin wurde Quero alsbald ausgewechselt.

Der SCC stützte sich auf ein sicheres Abwehrbollwerk. Besonders in der Annahme hatten die Charlottenburger mit Ollikainen, Huttunen und Prüsener deutliche Vorteile. „Einfach überragend“, stufte Diagonalangreifer Marco Liefke die Leistung der eigenen Annahmespieler ein. „Das war die Grundlage für den Sieg“, fand Niroomand. Im ersten Satz hatten die Gäste bis zum 9:9 mitgehalten, dann setzte sich der SCC, eingeleitet durch ein Ass von Jaroslav Skach zum 10:9, allmählich ab. Danach schlichen sich Unkonzentriertheiten ins Spiel der Charlottenburger ein, die Düren mit dem Satzausgleich bestrafte. Doch um gleich nachzusetzen, fehlte den Gästen mit Fortdauer des Spiels die Kraft. Im vierten Satz hatte sich der SCC schon zu Anfang mit 9:1 geradezu deklassierend vom Gegner abgesetzt.

Michael Warm lässt sich indes von dem Ergebnis nicht blenden. „Düren hat in der Champions League Kraft gelassen“, stellte er fest. Und dann hinterließ ja auch sein Dürener Kollege Bernd Werscheck noch eine unheilvolle Ankündigung in der Sömmeringhalle. „Die Charlottenburger“, drohte Werscheck, „die heben wir uns auf bis zum Schluss.“

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