Spandaus Wasserballer : Finalpleite gegen Duisburg als Herausforderung

Erstmals seit 20 Jahren sind Spandaus Wasserballer in einer Saison ohne Titel geblieben. Doch die Wasserfreunde sehen ihre Finalniederlagen gegen Duisburg in Pokal und Meisterschaft nicht als Machtwechsel.

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Blick zurück. Der Spandauer Marko Stamm (l.) muss sich daran gewöhnen, einem Team angehört zu haben, das nicht Deutscher Meister geworden ist.
Blick zurück. Der Spandauer Marko Stamm (l.) muss sich daran gewöhnen, einem Team angehört zu haben, das nicht Deutscher Meister...Foto: camera4

Peter Röhle ist überraschenderweise gar nicht so traurig. Die Torwartlegende der Wasserfreunde Spandau 04 sagt: „Vielleicht wird das der Konkurrenz noch mal leidtun, uns jetzt so schmerzlich aus dem Dauererfolgs-Schlaf aufgeweckt zu haben.“ Der 56-Jährige hat als Aktiver, Trainer oder Manager alle 76 nationalen und internationalen Titel mitgewonnen, die Spandau seit 1979 angesammelt hat. In diesem Jahr aber ist überraschenderweise kein einziger dazugekommen. Das hat es nur 1993 einmal gegeben.

Sowohl Pokal als auch Meisterschaft gingen an den ASC Duisburg, der damit erstmals das Double schaffte. In den fünf Finalspielen der beiden Wettbewerbe lagen die Westdeutschen mit 4:1 Siegen vorn – was eine deutliche Sprache spricht. Spandau redet zwar von Augenhöhe, muss aber bei dieser Argumentation viele kleine Einzelsituationen und viel „hätte“ bemühen. Duisburgs Trainer Arno Troost hat recht, wenn er feststellt: „Wir haben nicht mit Hängen und Würgen gewonnen, sondern wir hatten einen Plan und haben den konsequent umgesetzt.“

Bei Spandau hat man einen eigenen Plan in den Finalpartien des Öfteren vermisst. „Auf für mich unerklärliche Weise ist uns das abhandengekommen, was uns zuvor gerade in diesen Duellen stets ausgezeichnet hat: Selbstvertrauen, Mut und Leidenschaft“, hatte Spandaus Präsident Hagen Stamm festgestellt. Selbst kleinste Fehler hätten das Team schnell verunsichert. Auch der künftige Trainer Andras Gyöngyösi bemerkte dies als Augenzeuge ernüchtert. Der 10:7-Sieg im dritten Finale sorgte nur für kurzfristige Hoffnung, in Partie Nummer vier folgte mit dem 7:9 in Duisburg die endgültige Entscheidung.

Im siebten Finale zwischen den beiden Rivalen seit 2007 in Folge landete Duisburg den ersten Titeltriumph. Die Kontrahenten aber weigern sich vorerst noch beharrlich, von Wachablösung zu sprechen. Troost nennt das „Quatsch“. Peter Röhle will diese Zuschreibung erst gelten lassen, „wenn wir auch in der nächsten Saison nicht Meister werden“. Duisburg müsse es nun erst mal schaffen, Konstanz auf hohem Niveau zu etablieren.

„Spandau wird sich neu finden“, sagt Röhle. Er sieht in der schmerzlichen Niederlage vor allem eine Chance. „Vielleicht haben wir solch ein Initialerlebnis gebraucht, um neue Herausforderungen zu finden.“ Gyöngyösi hat es bei seiner Visite in Berlin ähnlich formuliert. Die Bedingungen für die Wasserfreunde werden sich nicht grundlegend ändern. Mehr Geld steht nicht zur Verfügung, der nach dem Ausstieg des Hauptsponsors Vattenfall partiell reduzierte Etat bleibt nach Stamm auf „stabilem, gesichertem, allerdings im europäischen Maßstab niedrigem Niveau“. Da passt Gyöngyösis Philosophie ganz gut, dass nicht Geld allein, sondern vor allem harte Arbeit Erfolg schaffe.

Personell wird man in der kommenden Saison ein neues Team sehen. Das Karriereende von Torwart-Legende Alexander Tchigir (44) steht fest, der Wechsel von Nationalspieler Erik Bukowski (26) nach Hannover ebenso. Ob Kapitän Marc Politze (35) und Centerverteidiger Fabian Schroedter (30) weitermachen, wird derzeit verhandelt, ist aber zumindest mit Fragezeichen zu versehen. In den kommenden Wochen sollen die Personalien geklärt sein – auch die Rückkehr von Nationalspieler Moritz Oeler nach einjährigem Gastspiel bei Vasas Budapest ist eine Option. Klaus Weise

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