SV Luftfahrt Ringen : "Wir treten die Flucht nach vorn an"

Die Berliner Ringer vom SV Luftfahrt rücken in die Bundesliga nach. Im Tagesspiegel-Interview spricht Trainer und Geschäftsführer Swen Lieberamm über den erstmaligen Vorstoß in die Elite-Klasse und die Aufgaben, die jetzt auf den Verein zukommen.

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Gemeinsam stark. Die Ringer vom SV Luftfahrt mit ihrem Trainer Swen Lieberamm (links oben). -Foto: SV Luftfahrt

Herr Lieberamm, der Deutsche Ringer-Bund (DRB) hat am Montag mitgeteilt, dass Luftfahrt als Zweiter der zweiten Liga in die Ringer-Bundesliga nachrückt. Wie überrascht sind Sie über diese Entscheidung?



Wir hatten insgeheim schon damit gerechnet, allerdings nicht mehr zu diesem Zeitpunkt. Beim DRB ging unser Antrag für ein Nachrücken im Bedarfsfall ja schon im letzten Dezember ein. Als wir dann bis Ende Februar nichts vom Verband hörten, war das Thema für uns eigentlich durch.

 

Und was passierte dann?



Vor zwei Wochen informierte uns der DRB erstmals über den Rückzug des SC Anger und unsere damit verbundene Aufstiegschance. Da haben wir uns dann im Präsidium noch einmal zusammengesetzt. Letztendlich wollten wir das aber von den Sportlern abhängig machen. Und die waren einhellig der Meinung: 'Wir nehmen die Chance wahr'.

 

Die Entscheidung scheint Ihnen nicht leicht gefallen zu sein.



Unsere Planungen für die neue Zweitligasaison waren eigentlich schon abgeschlossen. Und bis zum Saisonstart der Bundesliga Mitte August bleibt uns noch relativ wenig Zeit. Wir müssen erst einmal entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, wirtschaftlich und sportlich. Andererseits wissen wir nicht, ob es so eine Möglichkeit überhaupt noch einmal gibt. Also treten wir jetzt die Flucht nach vorn an.

 

Woran fehlt es dem Verein im Moment noch?



Wir müssen erst einmal entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, wirtschaftlich und sportlich. Wir kalkulieren mit einem Etat von 65.000, statt bisher 50.000 Euro. Da hoffen wir auf die Unterstützung unserer Sponsoren. Außerdem suchen wir eine neue Halle, in der wir die Heimkämpfe austragen können. Unsere altehrwürdige "Wellblecharena" in der Kiefholzstraße genügt einfach nicht den Ansprüchen für einen Erstligisten. 

 

Wo suchen Sie?



Wir wollen dem Bezirk Köpenick-Treptow treu bleiben und favorisieren einen Wechsel nach Bohnsdorf, wo auch der Schwerpunkt unserer Nachwuchsarbeit liegt. In Bohnsdorf haben wir viele Unterstützer, Kleinsponsoren und auch unsere Wurzeln.

 

Der SV Luftfahrt ist aus der ehemaligen Betriebssportgemeinschaft der Interflug hervorgegangen.



Richtig. 1967 wurde die Ringerabteilung in der BSG Luftfahrt gegründet. Nach der Wende ist daraus der SV Luftfahrt Ringen geworden, ein selbständiger Teilverein, der sich zur Tradition der BSG bekennt.

 

Wie weit sind Sie mit der Kaderplanung für die neue Saison? Rücken Sie von Ihrer Philosophie ab, vorwiegend auf Ringer aus dem eigenen Verein zu setzen?



Nein, daran halten wir weiterhin fest, zumal wir jetzt ohnehin kaum noch Chancen hätten, eine komplett neue Mannschaft aufzubauen. Das Gerüst für die Kämpfe werden in der Regel sechs Ringer bilden, die wir selbst ausgebildet haben. Wir hoffen in den nächsten Wochen, uns noch mit ein, zwei Neuzugängen verstärken zu können, die uns im Abstiegskampf helfen sollen.

 

Welche Rolle kann Luftfahrt in der Bundesliga spielen?



Wir sind absoluter Neuling in der ersten Liga. Das Traumziel ist natürlich Platz acht, der zum direkten Klassenerhalt reichen würde. Aber das wird sehr schwer. Wir sind mit Sicherheit großer Außenseiter. Wenn wir am Ende mit fünf, sechs Siegen dastehen, haben wir unsere sportliche Vorgabe erfüllt. Wenn diese fünf, bis sechs Siege zum Klassenerhalt ausreichen, dann umso besser. Wenn nicht, bleiben wir trotzdem unserer Philosophie treu und starten eben von der zweiten Liga aus einen neuen Anlauf.


Das Gespräch führte Jörg Leopold.

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