Berlin-Sport : TeBe: Ausbildung für den Torjäger

Karsten Doneck

Noch gehen die Meinungen leicht auseinander. Der Sportliche Leiter Ronald Maschke behauptet, Tennis Borussia habe sich im Vergleich zur vorigen Saison „eher noch etwas verstärkt“. Theo Gries ist da skeptisch. Der Kader sei „von der Qualität her vielleicht ein klein bisschen schwächer geworden“, sagt der Trainer. Auf jeden Fall hat TeBe zwischen den Spielzeiten wieder einmal das geschafft, was Jahr für Jahr zu den seltsamen Gepflogenheiten dieses Klubs gehört: Der Kader wurde radikal durchgemischt. Alt raus, Jung rein, hieß diesmal die Devise beim Austausch.

Frühere Profis wie Scheinhardt, Raickovic und Peschel passten nicht mehr ins Konzept, weder sportlich noch finanziell. Nur 270 000 Euro stellt der Klub in dieser Saison als Etat für die Oberliga bereit. Das zwingt zur Genügsamkeit. Trotzdem gelang es, Torjäger Michael Fuß zu halten. Zu halbherzig warb Zweitligist Energie Cottbus um den 28-Jährigen.

So musste TeBe nicht einmal große finanzielle Zugeständnisse an Fuß machen. Mitunter reichen heutzutage ein paar kleinere Versprechungen im Fußball der unteren Klassen schon aus, um Spielern vermeintlich antike Werte wie Vereinstreue näher zu bringen. TeBe will Fuß, dessen Vertrag 2006 endet, eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann ermöglichen, im September soll es damit losgehen. „Wenn es mit der Stelle klappt, wird er bei uns um weitere zwei Jahre verlängern“, kündigt Maschke an. Fuß hat in der vorigen Saison von 67 TeBe-Toren allein 28 erzielt. Trainer Gries, als Profi von Hertha BSC früher selbst höchst torgefährlich, sieht bei seinem Torjäger sogar noch mehr Potenzial. „Der kann noch mehr Tore schießen, aber dazu muss er mehr Laufbereitschaft zeigen“, sagt Gries.

Das Durchschnittsalter bei TeBe ist inzwischen auf 22,7 Jahre gesenkt worden. „Wir haben eine ausgesprochen charakterstarke Mannschaft. Das sind alles Jungs, die nach oben wollen“, behauptet Maschke. Für den Sportlichen Leiter steht fest: „Mit Sicherheit spielen wir in den oberen Tabellenregionen mit.“ Der Aufstieg in die Regionalliga Nord ist noch nicht Pflicht, wird es aber – im Jahre 2007. Der kluge Klub baut vor. „Wir haben die meisten Spielerverträge längerfristig angelegt, wir wollen hier kontinuierlich etwas aufbauen“, sagt Maschke. Bis der nächste radikale Umbruch erfolgt?

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