Trotz Verletzungssorgen : Berlin Volleys wollen den Titel

Nach der Sensation ist vor dem Finale: Die Berlin Volleys sind gegen Generali Haching zwar wie im Halbfinale gegen Friedrichshafen nur Herausforderer, dennoch ist der Titelgewinn das erklärte Ziel.

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Lust auf mehr. Die Spieler der Berlin Volleys, hier Björn Höhne, haben die erste Meisterschaft seit 2004 vor Augen. Damals hieß der Klub noch SC Charlottenburg.
Lust auf mehr. Die Spieler der Berlin Volleys, hier Björn Höhne, haben die erste Meisterschaft seit 2004 vor Augen. Damals hieß...Foto: König

Scott Touzinsky fasste es passend zusammen: „Das Knie fühlt sich nicht gut an“, sagte er, „aber der Sieg fühlt sich fantastisch an.“ Der US-Amerikaner im Dienste der Berlin Volleys hatte allen Grund, zumindest nicht uneingeschränkt zu jubeln. Schließlich hatte er das entscheidende Spiel der Halbfinalserie gegen den VfB Friedrichshafen mit einem Meniskusanriss im linken Knie durchgespielt. Dem Außenangreifer fehlte auf dem Platz seine Explosivität, um das zu tun, was er am besten kann, die Bälle im gegnerischen Feld versenken. Dafür zeigte Touzinsky an diesem Sonntagnachmittag in der Max-Schmeling-Halle, warum die Berliner Volleyballer nun überraschend im Finale der Bundesliga-Playoffs stehen: Ungeachtet der Schmerzen im Knie schmiss Touzinsky sich nach jedem Ball, fischte auch die unmöglichsten noch vom Boden. „Ich wollte für das Team da sein und ihm so viele zweite Chancen wie möglich herausholen“, sagte Touzinsky. „Gegen Friedrichshafen brauchst du zweite, dritte und vierte Chancen, sonst kannst du die nicht schlagen.“ Solche Sätze hatte man oft gehört in den vergangenen sieben Jahren der Friedrichshafener Dominanz. Am Ende stand hinter dem Attribut „Deutscher Meister“ dann aber doch immer der Name: VfB Friedrichshafen. Nach diesem denkwürdigen Sonntag in Berlin aber ist klar: 2012 wird es ein anderer sein.

Aber werden es die Berlin Volleys sein? Einige Zahlen sprechen dafür: 3:1 (17:25, 25:22, 25:22, 25:22) im vierten Halbfinalspiel, 3:1 in der Best-of-five-Serie gegen die Übermacht aus Friedrichshafen. Nicht einmal besonders eng war es am Schluss gegen den Champions-League- Sieger von 2007. Auch der neue Bundestrainer, der wie viele Vertreter internationaler Vereine in die Halle gekommen war, zeigte sich beeindruckt. „Ich sollte das vielleicht nicht sagen – aber es ist gut, dass Friedrichshafen Konkurrenz bekommt“, sagte der Belgier Vital Heynen. „Und für die Berliner ist der Finaleinzug eine Bestätigung für die hervorragende Arbeit, die dort geleistet wird.“

Nach einer aufgewühlten Nacht ob der Euphorie über einen der größten Vereinserfolge war das auch die Hauptfreude von Kaweh Niroomand. „Dieser Sieg bringt uns einen Riesenschritt voran“, sagte der Volleys-Manager. Die Heimkulisse der Berliner sucht in Europa ihresgleichen, auch am Sonntag wurde der Bundesligarekord von 7700 Zuschauern nur knapp verpasst. „Ich habe immer gesagt: Letztlich ist diese ganze Veranstaltung nichts wert, wenn der sportliche Erfolg nicht da ist.“ Mit dieser Kulisse und diesem Kampfgeist, was soll da also noch passieren im Finale gegen Generali Haching, das am Sonnabend in Unterhaching beginnt?

Von solchem Optimismus wollte Volleys-Trainer Mark Lebedew nichts hören. Auch gegen Haching sei man nur Herausforderer. „Was haben wir in den letzten Jahren gewonnen?“, fragte Lebedew und ließ die allseits bekannte Antwort offen: Der bislang letzte Meistertitel liegt acht Jahre zurück. „Haching ist Serienpokalsieger und außerdem die überragende Mannschaft der Saison“, fügte Lebedew hinzu. Haching hatte zwar das Pokalfinale gegen Friedrichshafen verloren, jedoch als Erster der regulären Saison beide Saisonspiele gegen die Mannschaft vom Bodensee gewonnen. „Es macht keinen Sinn, Friedrichshafen im Halbfinale zu schlagen und sich dann mit dem zweiten Platz zufrieden zu geben“, sagte Lebedew. „Aber ich weiß doch nicht mal, wie viele Spieler ich zur Verfügung habe. Vielleicht müssen wir noch ein Probetraining machen in den nächsten Tagen.“

So weit wird es wohl nicht kommen. Zwar wird Urpo Sivula, der am Sonntag nach zehn Minuten umknickte, mit großer Wahrscheinlichkeit im Finale nicht zum Einsatz kommen. „Es sieht so aus, als ob einige Bänder gerissen sind“, sagte Manager Kaweh Niroomand am Montag. Doch neben Paul Carroll, der sich am Sonntag eindrucksvoll zurückmeldete, können die Volleys auf die Rückkehr von Mittelblocker Ricardo Galandi hoffen, der am Sonntag noch auf der Tribüne saß. Scott Touzinsky weiß schon, dass sein Meniskus nach der Saison operiert werden muss. Dass er sich das Finale nicht entgehen lassen will, daran ließ der US-Amerikaner am Sonntag keinen Zweifel: „Wenn ich laufen kann, kann ich auch spielen.“

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