Berlin-Sport : Unsere große Farm

Die Eisbären Juniors setzen in der Oberliga nur auf junge deutsche Spieler – mit erstaunlichem Erfolg

Sophie Goetze

Jedes Mal, wenn die Eisbären Juniors ein Tor schießen, ertönt dieselbe Melodie: der Cancan. Einige der Zuschauer auf den spärlich besetzten Rängen des Sportforums Hohenschönhausen springen auf und schwenken ihre Fan-Schals im Kreis. Pierre Pagé, der Trainer der Profi-Mannschaft der Eisbären, die in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) spielt, bleibt sitzen. Aber er wippt mit dem Fuß – jedes Mal, wenn die Musik erklingt. Und das tut er am Donnerstagabend beim Oberligaspiel der Eisbären Juniors gegen die Hannover Indians gleich neunmal. Denn 9:3 siegen die von dem Kanadier Jeff Tomlinson trainierten Berliner gegen den Favoriten für den Aufstieg.

„Die Jungs werden von Woche zu Woche besser“, sagt Pagé. „Die Entwicklung ist einfach unglaublich.“ Der Plan scheint also aufzugehen. Pagé ist nämlich nicht nur zum Vergnügen beim Spiel der zweiten Mannschaft. „Ich sichte Potenzial“, sagt er, „schaue, wer die Möglichkeit hat, besser zu spielen.“ Und wer beim nächsten Spiel der DEL-Mannschaft vielleicht mit auf dem Eis stehen wird. Denn Profi-Trainer Pierre Pagé und Eisbären-Manager Peter John Lee hatten die Idee, in Berlin ein so genannte Farm-Team aufzubauen. Eine Mannschaft, die in Verbindung zu einem Team aus einer oberen Liga steht und in der junge Eishockeyspieler gesichtet und ausgebildet werden sollen. Eine solche Kooperation besteht zwischen dem DEL-Team der Eisbären und den Eisbären Juniors. Das Konzept ist in dieser Form bislang einzigartig in Deutschland. Die meisten Spieler der Juniors sind mit einer Förderlizenz ausgestattet. Das bedeutet, dass sie sowohl im Farm-Team in der dritten Liga als auch in der DEL-Mannschaft spielen können. Zwölf Spieler der Juniors haben das schon geschafft. „Die Entwicklung der Spieler soll durch dieses Konzept beschleunigt werden“, sagt Pagé. Denn man geht davon aus, dass sich junge Talente am besten entwickeln, wenn sie möglichst schnell gegen körperlich stärkere und erfahrenere Spieler antreten.

Bei den Eisbären Juniors werden deutsche Eishockeytalente gefördert, während bei den anderen Mannschaften der Oberliga zahlreiche Ausländer unter Vertrag stehen. Die Spieler der Juniors sind zwischen 18 und 23 Jahre alt und damit weitaus jünger als ihre Gegner. Die Förderlizenzen werden nur bis zum Alter von 22 vergeben. „Es gibt Leute, die behaupten, dass es unmöglich ist, mit einem so jungen Team in der Oberliga mitzuhalten“, sagt Pagé. Man sei allenfalls Punktelieferant für die anderen Mannschaften. Doch die Realität sieht anders aus: Die Juniors stehen im Mittelfeld der Tabelle – auch wenn sie am Sonntag in Neuwied 3:5 verloren.

Doch Erfolge wie der gegen Hannover zeigen, welches Potenzial in der Mannschaft steckt. „9:3 – das ist kein typisches Eishockey-Ergebnis“, sagte Florian Busch, einer der Spieler mit Förderlizenz. „Wir haben einfach richtig gut gespielt.“ Eigentlich sollte der 19-Jährige auch am Wochenende im DEL-Team zum Einsatz kommen. Er spielte dann aber nur am Donnerstag, weil er sich die Woche über krank gefühlt hatte. Eines von den neun Toren erzielte Busch selbst – dafür reichte die Kraft trotz Erkältung.

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