Berlin-Sport : Verbeugung vor den Pferden

Beim Ladies Gold Cup der Trabrennfahrerinnen in Mariendorf zeigt sich, was Frauen anders machen als ihre männlichen Konkurrenten

Heiko Lingk

Als alles entschieden war, sagte Karin Walter-Mommert erleichtert: „Alle Pferde sind gesund in den Stall zurückgekehrt, nur das ist wichtig.“ Beim Ladies Gold Cup in Mariendorf hatte die Europameisterin von 1999 aus Berlin bis zum vierten Wertungslauf Hoffnung auf den Gesamtsieg. Doch im entscheidenden letzten Rennen um die deutsche Meisterschaft der Sulky-Fahrerinnen musste die Berlinerin den formschwachen Wallach Chorus Line steuern. Der Braune mühte sich zwar, aber schon weit vor dem Ziel fiel der Traber entscheidend zurück. Seine Fahrerin belegte schließlich nur Rang drei in der Gesamtwertung, aber sie nahm es gelassen. „Ich denke, die Frauen haben dem Publikum tollen Sport geboten.“

Der Satz steht als Symbol: Wenn Frauen im Sulky siegen, genießen sie natürlich den Erfolg. Aber sie achten zugleich auf Feinheiten, die Männer oft verdrängen – sie respektieren vor allem das eigene Pferd. Rita Drees aus Kaarst ist die erfolgreichste Frau der Welt im Sulky. Beim Ladies Gold Cup landete sie ausnahmsweise nur im Mittelfeld. Doch das schmälert nicht ihre Leistung. 2116 Rennen und 3,6 Millionen Euro Preisgeld hat Rita Drees bisher gewonnen. Aber sie bleibt dabei lieber im Hintergrund. Ihre Motivation? „Die Faszination der Pferde.“

46 Pferde gingen beim Ladies Gold Cup an den Start, und eine Iranerin führte im Sulky die beiden besten. Afsoon Amirfallah (32) lebt seit ihrem zwölften Lebensjahr in Deutschland und verfügt ebenso wie Rita Drees über eine makellose Bilanz. Mit dem Hengst Koko Lobell und der Stute Medianoche gewann sie zwei der vier Wertungsläufe und holte sich damit den Gesamtsieg in der Meisterschaft. Aber als sie im Mariendorfer Winner-Circle geehrt wurde, lobte sie überraschend nicht zuerst diese beiden exzellenten Traber, sondern ein ganz anderes Pferd: die Stute Royal Fabienne, mit der sie im dritten Wertungslauf nur Fünfte geworden war. Afsoon Amirfallah: „Sie ist und bleibt mein Liebling.“

Dass sie in Berlin gute Auftritte haben würde, wusste die Iranerin: „Das Publikum ist hier viel emotionaler als auf allen anderen Bahnen.“ So etwas kommt ihr entgegen, das steigerte ihre Motivation. Der Applaus der Mariendorfer Zuschauer galt aber ebenso dem Mann, der die Iranerin begleitete. Heinz Wewering, der siebenmalige Derbysieger, war mit seiner Lebensgefährtin gekommen. Am Anfang ihrer Beziehung war die Liebe für die Karriere der Iranerin eher hinderlich. „Die Leute dachten, die kann doch gar nichts. Hinter dem Erfolg steckt doch nur der Wewering“, sagt sie.

Die Antwort gab sie mit ihren Siegen, 331 sind es bis jetzt. Und ihrem Lebensgefährten musste sie sowieso nichts beweisen. Der sagt: „Afsoon hat den gleichen Ehrgeiz wie ich.“

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