Berlin-Sport : Verlorene Siege

Die Wespen und ihr Kampf mit dem Hockey-Bund

Ingo Schmidt-Tychsen

Endlich mal ein Sieg, der auch einer war. Die Spieler des Hockey-Zweitligisten Zehlendorfer Wespen hatten an diesem Wochenende Grund zu großer Freude. Erst am Samstag das 12:2 gegen Osternienburg, gestern gewann der Klub dann das Derby gegen den SC Charlottenburg 5:1 (3:0). Tore gegen den Frust, sagt Trainer Kai Britze. „Meine Mannschaft geht professionell mit der schwierigen Situation um.“ Denn die Situation ist in der Tat nicht einfach bei den Wespen. Blendend waren sie in die Saison gestartet und dann purzelten die Berliner plötzlich vom ersten Platz ans Tabellenende: 13 Punkte Abzug, wegen eines Formfehlers.

In fünf ihrer bisher sechs absolvierten Spiele hatten die Berliner Martin Toms im Kader. Der 21-Jährige wechselte vor der Saison von Prag nach Berlin, hatte aber vor dem Bundesligastart Mitte September noch ein Punktspiel für seinen ehemaligen Klub in Tschechien absolviert, obwohl er offiziell schon bei den Wespen unter Vertrag stand – das aber ist nach den Statuten des Deutschen Hockey-Bundes nicht erlaubt. Die fünf Spiele, bei denen Toms auf dem Spielberichtsbogen stand, wurden mit jeweils 0:3 gegen Zehlendorf gewertet. Genauso steht es in der Spielordnung des Deutschen-Hockey-Bundes. Die Wespen fühlen sich dennoch ungerecht behandelt: „Unser Fall muss anders bewertet werden, weil wir nichts davon wissen konnten“, sagt Ewald Weitz. Der Betreuer des Klubs ist von Beruf Rechtsanwalt und kümmert sich nun um den Fall. Verärgert über den Spieler ist er schon. „Ich hatte Toms über die Regularien in Kenntnis gesetzt, er hat es uns verschwiegen, dass er in Prag gespielt hat.“ Beim Bundesschiedsgericht hat Ewald Weitz gestern Protest eingelegt, er fordert eine Einzelfall-Untersuchung.

Die Angelegenheit ist für die Wespen umso ärgerlicher, weil Toms in zwei der fünf Spiele nicht zum Einsatz kam. Und ein Blick in die Vergangenheit macht die Sache noch schlimmer. Die Wespen scheiterten in den vergangenen Jahren oft nur knapp am Aufstieg in die Erste Bundesliga. Zuletzt hatte man einen Punkt weniger als der BHC, davor verloren die Wespen in der Relegation. In diesem Jahr, ohne starke Lokalkonkurrenz und Relegation, sah es gut aus für die Zehlendorfer. Sollte der Einspruch beim Bundesschiedsgericht keinen Erfolg haben, wird es schwer für den Klub. Aber auch dann will sich Trainer Britze nicht geschlagen geben: „Wenn wir alle kommenden Spiele gewinnen, steigen wir trotzdem noch auf.“

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