Volleyball : Enttäuschung im Tempel

Die Volleyballer des SCC unterliegen Haching vor 5318 Fans in der Max-Schmeling-Halle glanzlos und verdient 1:3.

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Nicht druckvoll genug. Auch Salvador Hidalgo Oliva spielte unter Form.
Nicht druckvoll genug. Auch Salvador Hidalgo Oliva spielte unter Form.Foto: contrastphoto

Berlin - In der Dunkelheit sind die Rauchschwaden nur schemenhaft zu erkennen, auf den Tribünen tanzen tausende Leuchtstäbe synchron nach links und rechts, und aus dem Off verkündet eine Stimme geheimnisvoll: „Wir schreiben das Jahr 2011. Volleyball in einer neuen Dimension. Willkommen im Volleyball-Tempel.“ Bestimmt tauchen gleich irgendwelche Aliens auf.

Willkommen beim SC Charlottenburg, willkommen in der Max-Schmeling-Halle, willkommen beim Spitzenspiel der Volleyball-Bundesliga SCC gegen Generali Haching.

Neue Dimension? Die einzig neue Dimension, die gestern zu erkennen war, das war der enorme Grad der Unterlegenheit des SCC. 1:3 (17:25, 21:25, 26:24, 17:25) unterlag die Mannschaft von Trainer Mark Lebedew den Hachingern. Und nun? Tabellenführung weg, Selbstbewusstsein angeknackst, Stimmung gedrückt. Tempel? Atmosphärisch schon. 5318 Zuschauer machten einen Höllenlärm, schrieen bei jedem Punktgewinn des SCC, aber es wirkte, als feuerten begeisterte Fans einen Trabbi beim Duell mit einem DTM-Boliden an. Und am Ende stand SCC-Manager Kaweh Niroomand da und sagte: „Ich bin enttäuscht.“

Irgendwann mal im zweiten Satz schrie SCC-Zuspieler Jaroslav Skach seinem Außenangreifer Salvador Hidalgo Oliva zu, er solle sich mehr engagieren, er solle konzentrierter spielen. Der Kubaner hatte sich gerade einen technischen Fehler erlaubt. Hidalgo Oliva war einer der Schwachpunkte des SCC bei der Annahme. Auch die anderen Annahmespieler hatten große Probleme, ein Schlüsselpunkt bei dem Spiel. „Wir hatten ausgerechnet in der Annahme große Probleme, Eigentlich ist das unser stärkster Mannschaftsteil“, sagte Niroomand. Weil die Bälle nicht richtig zum Zuspieler kamen und damit keine schnellen Angriffe möglich waren, hatte Haching keine Probleme, seinen wirkungsvollen Block zu stellen. „Mit der schlechten Annahme begann das ganze Desaster“ sagte Niroomand.

Und Mark Lebedew, der SCC-Coach, der das Spiel mit erstarrter Miene kommmentierte, sagte: „Wir haben die Bälle nicht kontrolliert.“ Aber er gab auch zu: „Wir haben gegen eine Spitzenmannschaft verloren.“ Naja, Mittelblocker Felix Fischer sah es ein bisschen anders: „Nicht Haching hat gewonnen, wir haben verloren. Wir haben uns zu viele Fehler geleistet.“ Eigentlich hatte der SCC nur eine gute Phase, im dritten Satz, als er einen 4:9-Rückstand aufholte und mit einem enormem Kraftaufwand doch noch den Satz gewann. „Aber dann fehlte am Anfang des vierten Satzes die Kraft, und da war Haching schon wieder weg“, sagte Niroomand.

Die Gäste waren in allen Punkten überlegen. Ihr Block stand gut (zweimal scheiterte Hidalgo Oliva sogar an einem Einer-Block), ihre Angriffe konnte der SCC dagegen kaum mit dem Block abwehren, die Hachinger machten mit harten Aufgaben enorm Druck und griffen durch eine gute Annahme immer wieder durch die Mitte an, wo es zunehmend weniger Gegenwehr durch den SCC gab.

Und als alles vorbei war. als die Zuschauer davon trotteten, da hatte auch der Hallensprecher seinen geheimnisvollen Sound verloren. Da tönte nur nüchtern aus den Boxen: „Danke, dass ihr zu Gast wart.“

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