Vor der neuen Handball-Saison : Füchse-Trainer Sigurdsson: "Auch ich mache Fehler"

Dagur Sigurdsson, Trainer von Berlins Bundesligisten Füchse Berlin, spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über seine Handball-Philosophie und die Saisonziele mit seiner Mannschaft.

Dagur Sigurdsson, 37, trainiert den Bundesligisten Füchse Berlin seit 2009. Als aktiver Handballer bestritt er bis zum Jahr 2003 für die isländische Nationalmannschaft 215 Länderspiele, dabei gelangen ihm 397 Tore. Foto: ddp
Dagur Sigurdsson, 37, trainiert den Bundesligisten Füchse Berlin seit 2009. Als aktiver Handballer bestritt er bis zum Jahr 2003...Foto: ddp

Herr Sigurdsson, welche Merkmale zeichnen den typischen Isländer aus?
Er ist ein ruhiger Typ, meist locker drauf, im Umgang leicht, kann aber auch zum Vulkan werden. Es braucht nicht viel, um ihn zu motivieren.

Beschreiben Sie damit sich selbst?
Ich bin eher kein typischer Isländer. Ich war als Handballer und Trainer überwiegend im Ausland, bis hin nach Japan, das hat mich geprägt. Vielleicht bin ich diplomatischer.

Legen Sie sich deshalb nicht auf einen Europacup-Startplatz als Saisonziel für die Handballer der Füchse Berlin fest?
Würde ich ja gerne, aber welcher Platz reicht denn dafür aus? Wäre es der achte, wie in der letzten Saison, dann bitte. Aber alles, was besser ist, wird verdammt schwer.

Trauen Sie Ihrem Team den fünften oder sechsten Rang nicht zu?
Natürlich, aber das ist eine Region, in der sich Mannschaften mit großer Tradition und auch heute noch viel Qualität bewegen: Gummersbach, Großwallstadt, Lemgo.

Das klingt pessimistisch.
Dazu besteht kein Grund. Zuletzt haben wir gegen Teams aus der Champions League gespielt und wissen, dass wir uns mit einigen von ihnen auf Augenhöhe befinden. Aber die kommen aus Ligen, die mit der Bundesliga nicht zu vergleichen sind.

Ist die Bundesliga die stärkste Liga der Welt?
Zweifellos. Darin 40 Punkte zu holen und letztlich nur um einen Treffer an einem Europacup-Startplatz zu scheitern, wie wir zuletzt, ist schon eine starke Leistung.

Wie gehen Sie denn die neue Saison an, für die sich die Füchse mit Sven-Sören Christophersen, Alexander Petersson und Denis Spoljaric im Rückraum mit Nationalspielern wesentlich verstärkt haben?
Dass wir frisches Blut auf den Schlüsselpositionen bekommen haben, macht mich zuversichtlich. Jetzt geht es erst einmal um einen guten Start in Hannover und gegen Lübbecke im ersten Heimspiel und danach beim DHC Rheinland. Ich denke nach fünf bis acht Spielen werden wir eine erste Bilanz ziehen können.

Sind Sie ein Trainer, der sich selber auch korrigieren kann?
Wenn es um Handball geht, verfolge ich eine klare Linie, das wissen die Spieler. Nur wenn man jemand sein möchte, der man nicht ist, hat man keine Chance. Aber ich mache auch Fehler, wie zuletzt beim Turnier in Ehingen.

Was ist da passiert?
Gegen Montpellier habe ich viel zu offensiv decken lassen, ein taktischer Fehler. Ich habe es den Jungs hinterher gesagt.

Und wie war das mit dem siebten Feldspieler? Das ging gegen Veczprem auch völlig schief.
Es ist trotzdem ein probates Mittel, in Unterzahl den Torhüter herauszunehmen und dafür den Angriff zu verstärken. Es gibt Untersuchungen, dass sich dieses Risiko eher auszahlt als schiefgeht.

Es gibt Regeländerungen, wonach für Unsportlichkeiten schnellere Bestrafungen vorgesehen sind. Haben Sie mit Torhüter Silvio Heinevetter darüber gesprochen, dem in der vergangenen Saison häufiger die Nerven durchgegangen sind?
Das brauche ich nicht, Silvio ist ein Profi durch und durch. Er wird sich dementsprechend verhalten.

Was fehlt Ihnen noch zu Ihrem Landsmann, dem Kieler Trainer Alfred Gislason?
Auf jeden Fall dessen Erfolge. Nicht nur mit dem THW Kiel, auch mit Magdeburg war er bereits Champions-League-Sieger. Aber Alfred ist auch schon 50 Jahre alt.

Glauben Sie daran, dass die Füchse irgendwann in die Bundesligaspitze und damit zu den Top-Klubs vorstoßen können?
Kurzfristig sicherlich nicht. In Berlin gibt es jedoch das Potenzial dazu, dass es in ein paar Jahren so weit sein könnte.

Mit Dagur Sigurdsson als Trainer?
Von mir aus ja, ich habe mich mit meiner Familie auf einen langen Berlin-Aufenthalt eingestellt. Aber der Trainerjob ist nie ein sicherer.

Das Gespräch führte Hartmut Moheit.

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