Wasserball : Der Pflichttitel

Spandau 04 ist zum 27. Mal Deutscher Meister.

Thomas Schöbel

Berlin - Die letzten Sekunden wurden von den etwa 800 Zuschauern lautstark mitgezählt. Und kaum war der Schlusspfiff ertönt, fand sich Trainer Nebojsa Novoselac im Freibecken des Forumbades am Olympiastadion wieder. Seine Spieler umringten ihn und bespritzten den erfolgreichen Coach mit Sekt. Dieses Ritual gehört seit 1979 fast regelmäßig zum Saisonabschluss der Wasserfreunde Spandau 04. Nur zweimal konnten die Wasserballer seitdem nicht die deutsche Meisterschaft feiern. Man könnte also glauben, dass dies Routine für den Klub und seine Fans ist. Doch in diesem Jahr war die Erleichterung bei allen Beteiligten nach dem entscheidenden 12:9 im dritten Finalspiel gegen den ASC Duisburg deutlich zu spüren.

Zu tief war die Enttäuschung in der letzten Saison, als die Wasserfreunde sich dem SV Cannstatt geschlagen geben mussten. Diesen „Betriebsunfall“ wollten sie in diesem Jahr auf jeden Fall wieder gut machen. Letztendlich ist es den Spandauern in überzeugender Manier gelungen. Die nach dem Modus „Best of five“ gespielte Finalserie wurde im Schnelldurchgang beendet. Die Berliner setzten sich mit drei Siegen in drei Spielen durch. Vor dem gestrigen Sonntag hatten sie 7:6 am Mittwoch in Duisburg nach Verlängerung und am Sonnabend 15:6 in Berlin gewonnen. Schon da waren die Spandauer ihrer Favoritenrolle mit dem fünften Sieg im fünften Duell der Saison zwischen beiden Teams voll gerecht geworden. Zwar benötigten die Wasserfreunde im ersten Finalspiel beim 7:6 nach Verlängerung auch etwas Glück, wie Kapitän Marc Politze betonte, aber die beiden Heimspiele gewannen sie letztendlich souverän.

Wie groß die Erleichterung bei den Spandauern war, zeigte auch die Szene, als Präsident Hagen Stamm seinen klatschnassen Trainer herzlich umarmte. Kurz darauf fand sich Stamm selbst im Becken wieder. Angesichts des Erfolges nahm es der Präsident aber gelassen. „Da kann ich dann auch mit ein bisschen Wasser am Körper gut leben.“ Stamm bescheinigte dem gesamten Team und auch Novoselac hervorragende Arbeit. „Mit vielen jungen Spielern, die alle ihre Einsatzzeiten bekommen haben, hat er alles richtig gemacht“, sagte Stamm. Allerdings räumte der ehemalige Nationalspieler und jetzige Bundestrainer auch ein, dass die große Bewährung erst im nächsten Jahr auf internationaler Ebene warte.

Novoselac war nach seiner ersten Saison am Spandauer Beckenrand ebenfalls sehr erleichtert. Auch er habe gewusst, welcher Druck auf dem Team nach der Enttäuschung des Vorjahres gelastet habe. Marc Politze hatte es schon vor dem Finale deutlich gemacht: „Spandau 04, dieser Name verpflichtet dazu, Meister zu werden.“ Dieser Verpflichtung sind die Wasserfreunde in diesem Jahr wieder nachgekommen – nun schon zum insgesamt 27. Mal. Thomas Schöbel

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