Berlin-Sport : Ziel mit Tradition

Eishockey-Klub Preussen will in die Zweite Liga

Ingo Schmidt-Tychsen

Wenn Michael Walter von den neu verpflichteten Spielern spricht, beginnen seine Augen zu leuchten. „Lapointe kann so hart schießen, das macht keinem Torwart Spaß“, schwärmt er. Und: „Mit Corriveau haben wir den wahrscheinlich besten Stürmer der Oberliga.“ Walter ist Geschäftsführer des Berliner Schlittschuh-Clubs Preussen (BSchC), dem inoffiziellen Nachfolger der Berlin Capitals, die im Frühjahr dieses Jahres Insolvenz anmeldete. Ein Teil der ehemaligen Capitals-Spieler hat sich dem BSchC angeschlossen, der Rest des Kaders besteht aus neuen Spielern.

Und die neuen Spieler sind für Drittliga-Verhältnisse spektakulär: Die Kanadier Yvon Corriveau, der in der DEL bei den Berliner Eisbären keinen neuen Vertrag erhielt, und Martin Lapointe aus der amerikanischen Profiliga ECHL sind die wohl größten Verstärkungen. Dass Lapointe wirklich so hart schießen kann, wie es ihm Walter attestierte, stellte er gleich im ersten Spiel der Saison unter Beweis. Am Freitag, bei den Dresdner Eislöwen, hämmerte der 31-Jährige die Scheibe von der blauen Linie aus ins Tor. Doch seine Schussstärke allein reichte am Ende nicht aus, um den großen Favoriten für den Aufstieg zu bezwingen: Der Schlittschuh-Club verlor 2:4.

Trotz der Auftaktniederlage ist das Ziel des Vereins, um den Aufstieg mitzuspielen. Dank des gut besetzten Kaders ist das durchaus realistisch ist. Allein die Finanzierung der starken Mannschaft könnte ein Problem werden: In letzten Saison konnten die Berlin Capitals eine auf dem Papier deutlich schwächere Mannschaft nicht bezahlen. „Die Mannschaft ist nicht teurer als die der Capitals im letzten Jahr“, sagt Dr. Walter. „Und wir haben bessere Sponsorenverträge abgeschlossen.“ Der Etat von 650 000 Euro liegt etwas über dem der Capitals aus der Vorsaison.

Was den Berliner Schlittschuh-Club Preussen deutlich von den Capitals unterscheidet ist die Vergangenheit: Mit 20 deutschen Meistertiteln ist der BSchC deutscher Rekordmeister, allerdings liegt der letzte Titel 28 Jahre zurück. „Tradition mit neuen Zielen“, heißt es deshalb auf der Titelseite des in Hochglanz gedruckten Saison–Magazins. „Wir wollen versuchen die Vergangenheit in das Bewusstsein der Leute zurückzuholen“, sagt Walter Schimmel, der zweite Geschäftsführer neben Dr. Walter. „Wir wollen etwas aufbauen ohne uns dabei in den Mittelpunkt zu rücken, so wie es in der letzten Saison bei den Capitals gelaufen ist, war das nicht gut“, kann Schimmel sich einen kleinen Seitenhieb auf die ehemaligen Funktionäre der Capitals nicht verkneifen.

Ein paar dieser Funktionäre besetzen hohe Positionen im Berliner Eishockey-Verband. Da der BSchC nicht die gewünschten Trainingszeiten in der Deutschlandhalle bekam, fühlt er sich jetzt benachteiligt. „Die versuchen eindeutig uns Steine in den Weg zu legen“, sagt Sportdirektor Ernst Köpf. Da einige Halbprofis des Clubs während des Tages bei der Arbeit sind, können sie nur am Abend trainieren. Der Rekordmeister kann an den meisten Tagen jedoch nur morgens in die Deutschlandhalle.

Die Spieler versuchen, sich aus den Streitigkeiten der Verantwortlichen herauszuhalten. Yvon Corriveau beispielsweise will „einfach nur Eishockey spielen.“ Der stets professionell wirkende 37-jährigeKanadier hat finanziell lukrativere Jobs ausgeschlagen, um in Berlin zu bleiben. „Ich liebe diese Stadt.“

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