Berlin-Sport : Zum 6:0 gekämpft

Der 1. FC Union schlägt Wismar und rettet Trainer Lieberam vorerst den Job

Matthias Koch

Daniel Teixeira kam als einer der letzten Spieler in die Kabine – allerdings ohne Trikot. Der Angreifer des Fußball-Oberligisten 1. FC Union hatte es nach dem 6:0-Erfolg über Anker Wismar einem Anhänger geschenkt. „Die Fans verdienen das. Obwohl der Abstand zum ersten Platz schon groß ist, unterstützen sie uns toll“, meinte der Brasilianer. Wie Sturmkollege Tobias Kurbjuweit (9., 78.) konnte er zwei Treffer (74., 80.) beisteuern. Den Rest besorgten vor 4568 Zuschauern Abwehrchef Daniel Schulz (21.) und Mittelfeldspieler Torsten Mattuschka (71.).

Der Ex-Cottbuser Mattuschka, den der frühere Energie-Trainer Eduard Geyer oft wegen seines Übergewichts kritisiert hatte, avancierte zum Matchwinner. An den ersten vier Treffern war er als Vorlagengeber und Torschütze beteiligt. Mit seinem sehenswerten direkten Freistoß zum 3:0 beendete er zudem eine 50-minütige Leerlaufphase der Köpenicker nach dem 2:0. Denn obwohl Wismar nach der Gelb-Roten Karte für Christian Donner lange Zeit in Unterzahl agieren musste, vermochte der Aufstiegsfavorit nur kämpferisch zu glänzen.

Die Furcht vor einem weiteren Ausrutscher gegen einen Außenseiter war so groß, dass Union-Coach Frank Lieberam nach der Pause mit Jörg Heinrich einen erfahrenen Spieler in die Dreier-Abwehrkette zurückbeorderte. Heinrich nahm die Position von Tom Persich ein, der mal wieder verletzt ausschied. Doch die Ängste waren unbegründet – selbst wenn Union lediglich in der Schlussphase andeutete, wozu die Mannschaft fähig ist.

Nach dem Erfolgserlebnis beantwortete der sonst so ernst wirkende Lieberam die Frage nach den Gründen der Schwächephase seiner Elf mit Humor: „Ich ärgere mich auch, dass wir nicht mit 35:0 gewonnen haben.“ Passend dazu solidarisierte sich Wismars Trainer Enver Alisic mit den Problemen des Siegers: „Warum soll eine Mannschaft guten Fußball spielen, die 2:0 führt? Union sehe ich trotz des derzeitigen Rückstandes am Ende vor Neuruppin und Babelsberg.“

Lieberam, der wegen Verletzungen, Sperren und Formschwankungen vieler Spieler gegenüber der 1:2-Niederlage in Neuruppin vier neue Akteure inklusive Debütant Yuzuru Okuyama (zuletzt Babelsberg 03) einbauen musste, hatte für die Konkurrenz prompt Drohungen parat: „Die Meisterschaft wird nicht im Herbst, sondern im Frühjahr entschieden.“ Zuletzt hatte Lieberam noch massiv in der Kritik gestanden.

Der Sieg gegen Wismar sicherte zunächst den Job von Lieberam und Lothar Hamann, dem sportlichen Leiter des 1. FC Union. Damit dies so bleibt, wird in Köpenick derzeit alles dem Erfolg untergeordnet. Coach Lieberam fordert im Training inzwischen mehr Engagement von seinen Schützlingen. Präsident Dirk Zingler untersagte in der vergangenen Woche einen geselligen Mannschaftsabend. Es ist allerdings fraglich, ob derartige Maßnahmen auch fruchten, wenn die Gegner stärker als Anker Wismar sind.

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