Bernd Schuster : Rückkehr nach Hause

Real Madrid will mit seinem neuen Trainer Bernd Schuster wieder Angriffsfußball spielen. Für den Deutschen geht damit ein Lebenstraum in Erfüllung.

Julia Macher
Schuster
Als Spieler mit Real zweimal Meister geworden: Bernd Schuster bei seiner Vorstellung in Madrid. -Foto: AFP

MadridRamón Calderóns Stimme zitterte ehrfurchtsvoll, als er dem neuen Trainer von Real Madrid ein weißes Trikot mit der Nummer 1 übergab. „Lieber Bernd, vielen Dank, dass du dich für Real Madrid entschieden hast. Wir freuen uns, dass du wieder zu Hause bist.“ Der Präsident des spanischen Rekordmeisters hatte die Worte auf deutsch einstudiert. Und den blonden Deutschen bereits zuvor in den höchsten Tönen gelobt: Als „hervorragenden Trainer und herausragenden Menschen“. Als einen, „der unsere Werte vertritt und mit dem wir neue Wege beschreiten werden“. Die Kameras surrten, Schuster lächelte.

Es war ein bis ins Detail inszeniertes Bild, das das dreiwöchige Hickhack um die Verpflichtung des Trainers vergessen machen sollte. Da tat es gut, dass Bernd Schuster gewohnt bodenständig der Szene etwas von ihrer Feierlichkeit nahm. „Sie sprechen fast besser Deutsch als ich“, witzelte er und bedankte sich für die Chance, die ihm nach seinem erfolgreichen Engagement beim Madrider Vorstadtklub FC Getafe nun eröffnet werde: „Heute ist ein sehr glücklicher Tag.“

Die Erleichterung über das Happy End einer Seifenoper, die Spaniens Sportmedien drei Wochen lang in Atem gehalten hatte, war dem gebürtigen Augsburger anzusehen. Offiziell lief Schusters Vertrag bei FC Getafe noch ein Jahr. Dessen Präsident Ángel Torres hatte Schuster die Freigabe zugesichert und wollte mit Real Madrid über mögliche Konditionen verhandeln. Aber Calderón weigerte sich, beim kleinen Vorstadtverein anzurufen und verkündete paradigmatisch: „Real Madrid verhandelt nur mit vertragsfreien Trainern.“ Die Ablösesumme von 480 000 Euro wurde so zum Politikum. Offiziell hat Schuster, der bei Real Madrid einen Dreijahresvertrag erhielt und ein Salär von 3,5 Millionen pro Saison beziehen wird, die Vertragsstrafe nun aus eigener Tasche vorgestreckt. „Noch nie haben mir so viele Freunde ihre Hilfe angeboten“, grinste Schuster auf der Pressekonferenz. Dann wollte auch er die Vergangenheit endlich ruhen lassen.

Für den Deutschen, der längst in Spanien angekommen ist, geht ein Lebenstraum in Erfüllung. Dafür hat er hart gearbeitet, in Xerez, in Levante, zuletzt in der Schlafstadt Getafe. Seitdem Schuster den kleinen Verein mit angriffsstarkem, direktem Fußball im oberen Mittelfeld der Liga etabliert und sich für den Uefa-Cup qualifiziert hat, wird er in Spanien verehrt. „San Bernardo“, den heiligen Bernhard, nennen sie den in seiner Heimat als egozentrischen Eigenbrötler verspotteten Mann. Dass er auch Real Madrid nach der von langweiligem Defensivfußball geprägten Ära von Fabio Capello zu spielerischer Größe verhelfen kann, bezweifelt in Spanien niemand. Dabei liegen zwischen FC Getafe und Real Welten. Reichten im Coliseum Alfonso Perez Tore für begeisterte Fans, will das verwöhnte Publikum im Santiago-Bernabeu-Stadion mit raffiniertem Spiel bezaubert werden. „Das ist einfach“, gab sich Schuster am Montag zuversichtlich, „die Mannschaft hat eine große Qualität, man kann sie fordern. Ich will ihr einimpfen, dass sie ans Publikum denkt.“ Außerdem böte die noch von Capello erreichte Meisterschaft ideale Ausgangsbedingungen.

Vor den Egos der hochbezahlten Superstars in Madrid hat Schuster keine Angst. Schließlich trug er selbst das weiße Trikot Reals. Von 1988 bis 1990 gewann er als Spieler zweimal den Titel der spanischen Liga, er holte den Pokal und zwei spanische Supercups.

Größere Sorgen könnte Schuster die unberechenbare Chefetage bereiten. Schließlich waren es deren Eitelkeiten und Standesdünkel, die seinen Wechsel zur Seifenoper werden ließen. Auf Spanisch nennt man solche Endlosdramen „culebrón“, was sich mit Schlangennest übersetzen lässt. Eine treffende Bezeichnung, schließlich scheiterten an den Machtkämpfen in der Führungsetage etliche Trainer, nicht zuletzt Jupp Heynckes. Wie Schuster hatte der Rheinländer kleinen, unbedeutenden Vereinen wie Athletic Bilbao und CD Teneriffa mit bescheidenen Mitteln zum Erfolg verholfen und Real Madrid dann 1998 nach einer turbulenten Saison zum siebten Gewinn des Europapokals der Landesmeister geführt. Gehen musste er trotzdem.

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