Bernd Stange : "Endlich gegen Deutschland"

Weißrusslands Trainer Bernd Stange freut sich auf das Länderspiel gegen Deutschland und kündigt eine offensive Vorstellung an.

Stange Foto: dpa
Der Trainer der weißrussischen Nationalmannschaft, Bernd Stange. -Foto: dpa

Herr Stange, wie fühlt sich Ihr Heimaturlaub mit der weißrussischen Auswahl an?

Für mich ist es schön, wieder mal in der Heimat zu sein und gegen Deutschland Fußball spielen zu dürfen. Das war mir noch nicht vergönnt. Nun passiert mir das erst im relativ hohen Traineralter von 60 Jahren. In meiner Zeit als Nationalcoach der DDR Ende der achtziger Jahre gab es ja schon einmal diesen Versuch.

Damals wollten Sie mit der DDR gegen die Bundesrepublik spielen?

Ja. Damals war Franz Beckenbauer noch für die DFB-Auswahl verantwortlich. Leider ist diese Partie aus politischen Gründen nie zustande gekommen. Erfreulich, dass es 20 Jahre später mit einer anderen Mannschaft klappt.

Welche Chancen rechnen Sie sich auf dem Betzenberg in Kaiserslautern aus?

Mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln wollen wir ein beherztes, mutiges und offensives Spiel abliefern. Es geht aber auch darum, von dieser Begegnung zu profitieren. Meine Mannschaft ist noch sehr jung. Einige Spieler haben noch nie vor so einer Kulisse gespielt.

Kam der Test auf Ihre Initiative zustande?

Nein. Die Deutschen suchen traditionell im Vorfeld größerer Turniere Gegner, gegen die man befreit Fußball spielen kann, möglichst gewinnt und somit viel Selbstvertrauen holt. Wir wollen versuchen, dieses Anliegen zu vereiteln. Wir möchten kein Aufbaugegner sein.

Wie weit ist Ihre Mannschaft auf dem Weg zur erhofften Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika?

Die Spieler haben messbare Fortschritte gemacht. Ich wünsche mir, dass es auch in den nächsten drei Partien gegen Deutschland, Finnland und Argentinien vorwärtsgeht. Danach wollen wir optimistisch in die Qualifikation starten.

Können Sie in diesen Tagen noch nebenbei Freunde in Thüringen besuchen?

Nein. Nach den Spielen gegen Deutschland und Finnland am 2. Juni fliege ich mit Kotrainer Harald Irmscher zur Analyse der EM in die Schweiz und nach Österreich. In Jena war ich zuletzt an Weihnachten. Erst nach der Europameisterschaft gibt es Zeit, meinen 60. Geburtstag nachzuholen.

Der Ostfußball schwächelt. Hansa Rostock musste die Erste Liga verlassen, Aue und Jena sind aus der zweithöchsten Spielklasse abgestiegen. Ist das nur eine Momentaufnahme?

Man sollte dies nicht als Momentaufnahme abtun. Man muss das sehr gewissenhaft analysieren und nicht immer alles nur mit der fehlenden Wirtschaftskraft abtun. Das ist zu banal. Positive Gegenbeispiele wie Cottbus gibt es doch auch.

Das Gespräch führte Matthias Koch.

Bernd Stange, 60, war Fußball-Nationaltrainer der DDR (1983 bis 1988), im Oman (2001) und im Irak (2002 bis 2004).
Seit Juli 2007 betreut er Weißrussland.

0 Kommentare

Neuester Kommentar