Sport : Bertholds Netzwerk

Der Weltmeister von 1990 kümmert sich schon jetzt geschäftlich um die WM 2010 in Südafrika

Hartmut Scherzer[Frankfurt am Main]

Thomas Berthold ist der Zeit der Fußball-WM in Deutschland voraus. Um vier Jahre. Während alle und jeder nur das Spektakel im eigenen Land im Fokus und im Geschäftssinn haben, interessiert sich der Weltmeister von 1990 bereits seit einem Jahr für das Turnier 2010 in Südafrika – rein geschäftlich. Der smarte und polyglotte Vierziger mit dem Börsianerprofil versteht sich als Lobbyist deutscher Unternehmen, vornehmlich aus der Baubranche. „Man muss die richtigen Leute kennen“, sagt Berthold. „Als Weltmeister hat man im Ausland ein ganz anderes Standing bei einflussreichen Geschäftsleuten als bei uns.“

An selbstbewusstem Auftreten hat es ihm schon auf dem Fußballplatz nicht gemangelt. Auf dem Parkett der Wirtschaftsbosse bewegt sich der einstige Fußballprofi von Eintracht Frankfurt, Hellas Verona, AS Rom, Bayern München und VfB Stuttgart mittlerweile genau so sicher, von sich überzeugt und dadurch auch überzeugend. So geht Berthold im Büro von Danny Jordaan im First National Bank Stadium von Johannesburg mittlerweile ein und aus. Jordaan ist der Generalsekretär der South African Football Association (Safa) und unterlag am 6. Juli 2000 in Zürich nur durch eine enthaltene Stimme bei der Bewerbung um die WM 2006.

Der 55 Jahre alte Jordaan ist kein Medienstar, der mit Charme und Charisma die Menschen für sich einnimmt wie etwa Franz Beckenbauer, sondern ein pragmatischer Chief Executive Officer (CEO). „Ein ruhiger, tüchtiger, cleverer Mann, ein exzellenter Organisator“, sagt Berthold. Wie Franz Beckenbauer hierzulande ist auch Danny Jordaan Organisationschef von Südafrika 2010 und somit die erste Adresse, wenn der Lobbyist aus Frankfurt etwa deutsche Baufirmen bei den Ausschreibungen für Neu-, Um- und Ausbau der Stadien in Südafrika empfiehlt. Bis zur Abgabe der Angebote muss die Regierung in Pretoria aber erst ein Ermächtigungsgesetz verabschieden, welche Region wie viel Geld für den Ausbau der Infrastruktur und den Bau der Arenen bekommt.

Berthold ist sozusagen Verbindungsmann Jordaans zur deutschen Wirtschaft, fühlt sich als eine Art „international consultant“. Die Industrie und Handelskammer ist seine Anlaufstelle in Frankfurt, nicht der Deutsche Fußball-Bund. Beim deutsch-südafrikanischen Investorenkongress im Borussia-Park von Mönchengladbach sieht man Berthold ebenso in Gesprächen mit den Vertretern der CEO wie auf der größten Fußball-Fachmesse der Welt, „Soccerex“, in Dubai.

Thomas Berthold, der Englisch, Französisch, Italienisch und etwas Spanisch spricht, steht auch in engen geschäftlichen Beziehungen zu dem internationalen Unternehmen „bigAIR“, das unter anderem aufblasbare Großleinwände für die Live-Übertragungen von den WM-Spielen produziert und vertreibt. „Public Viewing“ heißt neudeutsch das Spektakel. „In der Mischung Wirtschaft und Fußball auf internationaler Ebene“, sieht Berthold seine berufliche Tätigkeit und will bald eine eigene Firma für dieses weitgehend noch unbeackerte Feld gründen. Er informiert sich überall über Produkte für den Wirtschaftsfaktor Fußball. In Eindhoven, zum Beispiel, hat er sich bei Philips und einem Rosenzüchter über Beleuchtungssysteme für Naturrasen und dessen Pflege in überdachten Arenen kundig gemacht. Rasen sei zu einem wichtigen Produkt in der Fußball-Industrie geworden.

Ganz hat sich der Südafrika-Experte freilich nicht von der WM im eigenen Lande ausgeklinkt. Das Reisebüro des mexikanischen Fußballverbandes hat ihn nach der Auslosung in Leipzig für das Ticketing vertraglich verpflichtet. Die Schweizer Kartenagentur ISE, die als Auftragnehmer der Fifa WM-Logen für VIPs vermarktet, bedient sich seiner Kontakte. Berthold spricht von einem internationalen „Netzwerk“, in das er eingebunden ist. Die Medien, der „Kicker“, der Hessische Rundfunk und das ZDF, haben den gebürtigen Hanauer nicht zuletzt wegen seiner unverblümten, provokanten Meinung engagiert. Berthold hat stets offen und öffentlich seine Meinung gesagt. So endete 1994 für ihn auch das Kapitel Nationalmannschaft: mit einem als allzu kritisch empfundenen Interview im „Spiegel“.

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