Sport : Berti is coming home

Katharina Strobel

Seit die Lose für die Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal gezogen sind, haben sie keine Zweifel mehr an ihm. Schottlands Fans und Medien freuen sich auf den Dienstantritt von "Bundes-Berti" als Trainer der Nationalmannschaft. Schließlich geht es in den Qualifikationsspielen gegen die Deutschen, Berti Vogts einstiges Team. Kein Wunder, dass David Taylor, Chef des Schottischen Fußballverbandes, seit der Auslosung zufrieden in die Kameras strahlt. Schließlich war er es, der den 55-jährigen Vogts geholt und zur neuen nationalen Hoffnung ernannt hatte.

Der in der Heimat verschmähte Vogts könnte es den Deutschen von Schottland aus heimzahlen. Für solche Erfolg versprechenden Aussichten greift der schottische Verband tief in die Tasche. Drei Millionen Pfund, rund 5 Millionen Euro, sind für den angepeilten Vierjahresvertrag im Gespräch. So viel hat noch kein schottischer Coach bekommen. Die Zeitungen jubeln. So einen Mann mit Erfahrung und Expertise - den können sie hier oben brauchen. Sogar Vorgänger Craig Brown, der letzten Sommer nach der verpatzten WM-Qualifikation seinen Rücktritt als Nationaltrainer angekündigt hatte, sieht die Nationalelf bei Vogts in guten Händen. Erstmals in der Geschichte Schottlands würde ein Ausländer die Position des Spitzentrainers übernehmen. Weil auch das englische Team mit dem Schweden Sven Goran Eriksson herausragende Erfolge einfährt, hoffen nun die Schotten auf Inspirationen von außen.

Nach der Pleite vom letzten Sommer brauchen Spieler und Fans einen kräftigen Muntermacher. Zwar witzeln Boulevardblätter über den trüben Ernsten, der nicht spannender sei als ein Urlaub auf einem Campingplatz im Winter. Aber an Bertis Know-how zweifelt keiner. "Es geht hier nicht darum, eine Comedy-Show abzuziehen", sagt Verbandschef Taylor, "Vogts soll uns sportliche Erfolge bringen." Erfolgserlebnisse haben die Kicker in der Tat bitter nötig. Eine Schlappe wie bei der letzten Europameisterschaft 1998 in Frankreich, bei der Schottland nicht einmal die erste Runde überstand und gleich wieder heimreiste, will die fußballbegeisterte Nation nicht noch einmal erleben. Vielmehr wollen die Schotten das Turnier 2008 in das eigene Land holen. Dazu braucht es Siege. Und zuweilen diszipliniertere Fans.

Um den Job beneiden Vogts wenige. Die Auswahl unter schottischen Top-Spielern ist gering. Umso mehr wünschen sich die Fans einen Coach, der sich für den Nachwuchs einsetzt. Bei dieser Aufgabe soll Vogts Unterstützung von einen kompetenten schottischen Assistenten erhalten: Tommy Burns, Boss von Celtic Glasgow. Der hat auf der Insel einen hervorragenden Ruf.

Auch Berti Vogts ist durchaus angesehen. In die Herzen schottischer Fans brannte der Trainer sich ein, als er bei der EM 1996 mit Deutschland die Engländer bezwang. Nördlich der englischen Grenze fieberten die Fans mit den Deutschen - gegen England. Vogts hat einen Vertrauensvorschuss. Nun muss er nur noch Erfolg haben. Und sollte es mit der EM-Qualifikation 2004 gegen Deutschland nicht klappen, dann bleibt zumindest die Hoffnung, es dem Gastgeber Deutschland während der WM 2006 richtig zu zeigen. Vorausgesetzt, die schottische Elf qualifiziert sich.

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