Sport : Beruhigungspillen für die Fans

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AUSGEBREMST

Frank Bachner über Ferrari

und die Stallorder

Na also. Luca di Montezemolo, der Präsident von Ferrari, hat am Rande des Großen Preises von Monaco übers Fernsehen verkündet, dass es eine Zwangsbremsung eines Ferrari-Piloten wie beim Formel-1-Rennen in Österreich nicht mehr geben wird. Endlich wieder richtiger Sport und richtige Sieger. Keine taktischen Tricks und zweifelhaften Entscheidungen mehr. Oder etwa doch nicht? Denn wer di Montezemolos Worte als definitive Absage an die Macht der Teamorder übersetzt, der erweist sich als blauäugig.

Natürlich wird Ferrari weiterhin tricksen, natürlich wird der Rennstall weiterhin Michael Schumacher vor Rubens Barrichello platzieren, um das Projekt Weltmeisterschaftsgewinn nicht zu gefährden. Ferrari wird es in Zukunft nur nicht mehr so offensichtlich machen wie in Österreich.

In der Vergangenheit hat man ja auch bei anderen Teams schon gesehen, dass das möglich ist. Da wird dann eben ein Boxenstopp ein wenig länger dauern, oder ein Pilot erhält vielleicht mehr Benzin als notwendig, damit sein Fahrzeug schwerer und damit langsamer ist als notwendig. Man muss ja nur auf die Zwischentöne in Luca di Montezemolos Botschaft hören. „Eine Stallorder“, sagte er, „wird es in dieser Form nicht mehr geben.“ In dieser Form nicht. In anderer schon?

Der Ferrari-Boss muss Schadensbegrenzung betreiben. Die ehrpusseligen Ferrari-Leute, die einen Fehler nie zugeben können, waren von der Wucht der internationalen Kritik schlicht überrascht worden. Wenn Zeitungen weltweit aufheulen, selbst Schumacher-Fans in heller Empörung Anti-Schumacher-Aufkleber verteilen und Formel-1-Chef Bernard Ecclestone Ferraris Verhalten als „sehr arrogant“ einstuft, dann muss der Präsident ein paar Beruhigungspillen verteilen.

Nichts anderes macht di Montezemolo. Warum auch sollte Ferrari ernsthaft über eine Abschaffung der Stallorder nachdenken? Ein WM-Titel ist mit Millionen-Einnahmen verbunden, und nicht nur Ferrari-Teamchef Jean Todt verteidigt unverdrossen und hartnäckig die Teamanweisung an Barrichello in Spielberg. Im Zweifelsfall, das weiß er ganz genau, machen es andere Teams doch genauso. Und wie viel Ferraris Spitzenfahrer Michael Schumacher von der Kritik hält, konnte doch auch jeder hören und lesen. „Für uns ist es wichtiger, die eine oder andere Sympathie weniger zu haben, und dafür den Titel zu gewinnen“, sagte der viermalige Weltmeister.

„Schumi, verarsch uns bloß nicht noch mal“, hatte die „Bild“-Zeitung am Samstag getitelt. Keine Sorge, das macht er bestimmt nicht. Jedenfalls nicht mehr so, dass es jeder gleich mitbekommt.

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