Sport : Bescheidener als das Original

Mölders gilt in Augsburg schon als der neue Thurk

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Augsburg - Sascha Mölders hat das Augsburger Gesetz rasch verinnerlicht. Und so sagte der Held des Tages zum Einstand des 51. Klubs in der Fußball-Bundesliga ganz brav: „Ich habe zwei Tore gemacht. Das ist schön, aber den Punkt hat die ganze Mannschaft gesichert.“ Solche Sätze im Sinne des Gemeinwohls hören sie beim FC Augsburg gern, nachdem der Aufsteiger aus der drittgrößten bayerischen Stadt Michael Thurk, den alten Torjäger des FCA, freigestellt hatte. Der hatte zu oft zuerst an sich gedacht und zuletzt öffentlich darüber gemosert, nicht für das Pokalspiel in Oberhausen berücksichtigt worden zu sein. Die Verantwortlichen des Klubs, die davon überzeugt sind, dass der Neuling nur eine Chance mit gelebtem Teamgeist habe, handelten kurzentschlossen. Thurk, vorher schon ein paar Mal als Quertreiber aufgefallen, ist damit raus aus dem erstklassigen Abenteuer Augsburger Prägung. Das haben viele Fans beklagt und bedauert – bis Sascha Mölders kam.

Der für knapp 200 000 Euro vom Zweitligaklub FSV Frankfurt gekommene Mittelstürmer präsentierte sich den enthusiastischen Fans als neues Kopfballungeheuer der Liga. Beide Treffer rammte der 26-Jährige auf diese Weise vorbei am Freiburger Torwart Baumann, der ein drittes Kopfballtor des 1,87 Meter langen Athleten mit einer artistischen Parade soeben verhinderte. Andernfalls wäre das Glück des Neulings vollkommen gewesen, der so weitermachte, wie er schon in der Zweiten Bundesliga geglänzt hatte: als Comeback- und Endspurt-Spezialist. Trainer Jos Luhukay sagte: „Unsere Mannschaft gibt nie auf, das spricht für ihren Charakter und ihre Geschlossenheit.“ Mölders, der die Freiburger Führungstreffer durch Cissé und Makiadi egalisiert hatte, bekam vom Chef des Augsburger Fußballkollektivs ein Extralob: „Ich denke, Sascha hat ein Wahnsinnsspiel gemacht.“

Mölders, dunkelhaarig, mit einem Bart, der nach Rasur zu verlangen scheint, genoss seinen Auftritt in der Augsburger Arena, ohne darüber große Worte zu verlieren. Das übernahmen dafür die Fans. Die Bundesliga-Ouvertüre war eben ein Familienfesttag für alle Augsburger, die froh darüber waren, dass sie ihren „neuen Thurk“ gefunden hatten. Der Original-Thurk bekam den Jubel hautnah mit. Er saß beim Spiel auf der Tribüne. Roland Zorn

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