Sport : Bescherung im Advent

Der 1. FC Union gönnt sich demnächst eine Personalverstärkung – heute kämpft die Mannschaft in Oberhausen um die sportliche Zukunft

Karsten Doneck

Berlin. Schon zwischen dem zweiten und dritten Advent gibt es beim Fußball-Zweitligisten 1. FC Union Geschenke. In jener Woche will der neue Präsident Jürgen Schlebrowski einen Stellvertreter und einen neuen Schatzmeister präsentieren. Beide Posten sind nach dem kürzlich vollzogenen Führungswechsel von Heiner Bertram zu Schlebrowski vakant. Die bisherigen Präsidiumsmitglieder Bernd Hofmann und Armin Friedrich hatten kurz nach Bertrams Demission ihre Ämter niedergelegt. Kai Apelt und Ralf Büttner sind nur deshalb in den Vorstand nachgerückt, damit das Präsidium auch jetzt in der Übergangsphase handlungsfähig bleibt. „Es gibt ein paar Kandidaten, aber ich werde mich hüten, jetzt schon eine Personaldiskussion in der Öffentlichkeit zu führen“, sagt Schlebrowski. Nur in einem Punkt hat sich Unions neue Führungskraft schon festgelegt: Der Managerposten wird nicht besetzt. „Wir haben finanziell keine Luft, um einen Mann, dessen Gehalt sich im unteren fünfstelligen Euro-Bereich bewegt, zu bezahlen“, sagt er.

Eine seiner vordringlichsten Aufgaben sei, so Schlebrowski, jetzt erst einmal „Transparenz in die Zahlen reinzubekommen“. Angeblich fehlen Union aktuell 180 000 Euro. Diese Summe will der neue Präsident nach – noch nicht abgeschlossener – Sichtung der Bücher nicht bestätigen. Er spricht davon, dass das Defizit eher bei 140 000 bis 150 000 Euro anzusiedeln ist. Die Ermittlung der exakten Summe hänge auch davon ab, wann eine anstehende Steuerrückerstattung vom Finanzamt auf den Konten eintrifft.

Für existenzbedrohend hält Schlebrowski die derzeitige finanzielle Situation nicht. „Gucken Sie sich doch mal Arminia Bielefeld an, da geht es um ein Defizit in Höhe von einer Million Euro, das ist doch eine ganz andere Größenordnung als bei uns“, sagt er – und denkt trotzdem über Einsparungsmöglichkeiten nach. Auch im Bereich der Spielergehälter? „Das weiß ich nicht“, antwortet Schlebrowski eher ausweichend. Immerhin halten Unions Sponsoren trotz der ganzen Aufregung um den Führungswechsel dem Verein offenbar fest die Treue. Und nicht nur, weil sie an Verträge gebunden sind. „Bei der BSR, unserem Hauptsponsor, hatte ich nie das Gefühl, dass die abspringen wollen“, sagt Schlebrowski.

Der neue Präsident hält sich übrigens die meiste Zeit beruflich in seinem Büro in Bochum auf. Das brachte ihm schon erste Kritik von den Fans ein. Ein Fußball-Profiklub sei aus der Ferne nicht in dem erforderlichen Maße zu lenken, wird genörgelt. Schlebrowski kontert: „Ich muss doch nicht jeden Tag auf der Geschäftsstelle rumturnen. Es ist schließlich nicht meine Aufgabe, die Geschäftsstelle zu führen.“ Der Präsident rechnet fest damit, dass Union nach dem ganzen Hin und Her um Bertrams Ablösung bald in die Normalität zurückfindet. „Wenn wir sportlich erfolgreicher sind, wird auch wieder Ruhe einkehren“, sagt Schlebrowski. Die Mannschaft hat es also in der Hand, schon heute im Auswärtsspiel bei RW Oberhausen etwas zur Klimaverbesserung zu tun. Allerdings: Oberhausen ist Tabellendritter und seit acht Spielen ungeschlagen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben