• Beschränkungen sollen negative Auswirkungen auf Nachwuchs und Nationalteams verhindern

Sport : Beschränkungen sollen negative Auswirkungen auf Nachwuchs und Nationalteams verhindern

Der Ruf nach einer Beschränkung der Ausländerzahl wird in den europäischen Fußball-Topligen vier Jahre nach dem Bosman-Urteil immer lauter. Wie DFB-Teamchef Erich Ribbeck befürchten auch Italiens Nationaltrainer Dino Zoff und Gordon Taylor als Chef der englischen Profi-Vereinigung (PFA) negative Auswirkungen auf die eigene Nationalmannschaft und den Nachwuchs.

Italiens Sportministerin Giovanna Melandri will sich nach einem Treffen mit Verbandspräsident Luciano Nizzola, Zoff und "U21"-Nationaltrainer Marco Tardelli an die Europäische Union (EU) wenden und eine Limitierung auf fünf Ausländer pro Verein vorschlagen. "Wenn die EU beschließt, die Zahl der Ausländer zu beschränken, würde das unseren einheimischen Spielern viel mehr Möglichkeiten bieten", erklärte Ex-Nationaltorhüter Zoff.

Mehr als 160 Ausländer spielen derzeit in den 18 Klubs der Serie A. In der Bundesliga stieg die Zahl der Gastarbeiter von 188 in der Saison 1998/99 auf 215 "Legionäre" aus 54 Ländern. Kein Wunder, dass sich Ribbeck beklagte: "Ich habe doch kaum noch Auswahl." Vor allem die wichtigen Positionen im zentralen Mittelfeld und im Angriff seien in den Vereinen oft von Ausländern besetzt.

Auch Ribbeck würde daher eine Beschränkung der Ausländerzahl begrüßen, wie sie Zoff und der Engländer Taylor, der sogar nur zwei "Legionäre" pro Verein zulassen will, fordern. "1992 spielten gerade elf Ausländer in Englands Meisterschaft. Heute stehen in der Premier League mehr als 200 und in allen Profi-Ligen mehr als 500 Ausländer unter Vertrag. Aber viele ausländische Spieler sind überbezahlt und behindern die Entwicklung unserer Talente", erklärte Taylor. Sein Vorschlag: "Die Erteilung der Arbeitserlaubnis für ausländische Spieler müsste erschwert werden."

Das wäre allerdings nicht mit europäischem Recht vereinbar. Durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofes in Luxemburg im Fall des Belgiers Jean-Marc Bosman können Vereine theoretisch mit elf ausländischen Spielern antreten, die aus einem der 15 EU-Mitgliedsländer kommen.

Italiens Verbands-Boss Nizzola gibt jedoch nicht auf: "Wir können die Zahl der Ausländer in den Vereinen zwar nicht begrenzen, weil es das Gesetz über die freie Arbeitsplatzwahl verletzen würde. Aber mit Zustimmung der 15 EU-Mitgliedsstaaten könnten wir die Zahl der ausländischen Spieler, die pro Spiel von einem Verein eingesetzt werden dürfen, beschränken. Das würde die italienischen Spieler und auch die Nationalmannschaft begünstigen."

Seit Montag tagen die Präsidenten und Generalsekretäre der 51 Mitgliedsländer der Europäischen Fußball-Union (Uefa) in Genf, um über die Zukunft der Nationalmannschaften und Möglichkeiten, deren Stellenwert bei den Fans zu erhöhen, zu sprechen. Dabei ist für Ribbeck klar: "Die Öffentlichkeit hat ein Interesse an guten Nationalmannschaften, und die hat man nur, wenn die deutschen Spieler in der Bundesliga zum Einsatz kommen."

Gut möglich, dass in Genf auch die Ausländer-Problematik auf den Tisch kommt. Für Egidius Braun, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), ist eine Ausländerbeschränkung "nicht nur richtig, sondern absolut notwendig, wenn wir die immense Bedeutung des Fußballs auf Dauer erhalten wollen".

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