Sport : Beschützt und belächelt

Dortmunds Sportdirektor Zorc steht in der Kritik

Felix Meininghaus[Dortm]

Im Sommer 2008 wird sich zum 30. mal der Tag jähren, an dem Michael Zorc den Weg zu Borussia Dortmund gefunden hat. Sein Vorgesetzter Hans-Joachim Watzke geht davon aus, dass Zorc dieses Jubiläum in offizieller Funktion begehen können wird. „Wenn wir die Liga halten“, sagt der Geschäftsführer des BVB, „werden wir weiter mit ihm zusammenarbeiten. Ich bleibe dabei, dass Zorc für Borussia sehr gute Arbeit leistet.“ Selbstverständlich ist diese Einschätzung nicht, denn in einer Spielzeit, in der aus dem selbsternannten Uefa-Cup-Aspirant ein Abstiegskandidat geworden ist, haben viele den Sportdirektor Zorc als Hauptschuldigen ausgemacht. Vorgeworfen wird ihm verfehlte Personalpolitik und unzureichende Öffentlichkeitsarbeit. Gerüchte über seine Ablösung halten sich.

Was Zorc, zu dessen Kritikern auch Präsident Reinhard Rauball gezählt wird, im Job hält, ist die unerschütterliche Fürsprache Watzkes und seine Reputation in der Stadt. Als Jugendlicher kam Zorc 1978 vom Dortmunder Vorortverein TuS Eving-Lindenhorst zur Borussia. Lange Jahre war er Kapitän des BVB und Liebling der Fans. Eine Integrationsfigur, wie sie im Profifußball ganz selten zu finden ist.

In 463 Bundesligaspielen ist er auf 131 Tore gekommen, für einen Mittelfeldspieler eine beachtliche Quote. Auch in seiner Rolle als Sportdirektor, die Zorc seit 1998 bekleidet, gehört er eher zu den Leisen seiner Zunft. Ein Umstand, der ihn in turbulenten Zeiten angreifbar macht. Er mache sich rar, zeige viel zu wenig Präsenz, wird ihm vorgeworfen.

Stattdessen hat Watzke nicht nur im operativen, sondern auch im sportlichen Bereich die Rolle des Anchorman übernommen und erklärt, Zorc sei „nun mal kein Kommunikationsgenie“. Zorc hat inzwischen angekündigt, sich offensiver zu präsentieren. „Ich habe mich nie über die Außendarstellung definiert“, sagte Zorc, „aber heutzutage wird das Profil vor allem auch über die Medien geschärft“. Bei der wöchentlichen Pressekonferenz vor den Spieltagen sitzt Zorc nun regelmäßig mit auf dem Podium. Watzke will sich freilich weiter auch zu sportlichen Belangen äußern. „In einem börsenorientierten Unternehmen muss sich der Chef stark in der Öffentlichkeit positionieren“, sagt er.

Derweil arbeitet Zorc weiter an einer Erneuerung des Kaders, die nötig geworden ist, weil es bei der Zusammenstellung des aktuellen Teams erhebliche Fehleinschätzungen gegeben hatte. Eklatant ist vor allem das Tempodefizit, das bereits in der vergangenen Spielzeit sichtbar geworden war und das sich verschärfte, als mit Rosicky und Odonkor die beiden schnellsten Akteure verkauft wurden. In diesem Bereich muss ebenso nachgebessert werden wie im Sturm, wo die Dauerkrise von Null-Tore-Stürmer Nelson Valdez für Zorc „ein fußballerisches Rätsel“ bedeutet. Zuletzt wurde publik, dass Zorc Verhandlungen mit Wolfsburgs argentinischem Sturmführer Diego Klimowicz aufgenommen haben soll.

Währenddessen halten sich in Dortmund hartnäckig die Gerüchte, dass Zorc, dessen Vertrag bis 2008 läuft, abgelöst werden könnte. Immer wieder fällt der Name Michael Rummenigge. Mit ihm habe er gesprochen, sagt Watzke, „aber nur über seinen Sohn, der bei uns in der A-Jugend und in der U-19-Nationalmannschaft spielt“. Auch Rolf Rüssmann ist offiziell kein Thema, „wir haben keine Verwendung für ihn“, sagt Watzke. In einem Interview, das Rüssmann der „Recklinghäuser Zeitung“ gegeben hat, liest sich das jedoch anders: „Präsident Dr. Rauball kenne ich seit Jahren, und ich habe ihn einfach mal gefragt, wenn du was verändern willst, dann können wir gern mal darüber reden, es muss aber vertraulich sein“, heißt es dort. Und weiter: „Daraufhin sprach Rauball mit Watzke darüber, und der hat die „Sport-Bild“ informiert. Danach war das Thema durch.“ Watzke bestreitet diese Darstellung. „Das ist absoluter Unsinn“, sagt er.

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