Sport : Besser als der Meister

Nowitzkis Team Dallas entthront San Antonio beim 119:111 nach Verlängerung

Sebastian Moll[New York]

Das sollte Dirk Nowitzki nicht noch einmal passieren. Drei Mal hatten die Dallas Mavericks in dieser Serie gegen San Antonio verloren, und jedes Mal hatte der Basketball-Profi aus Würzburg, der für die Mavericks spielt, die Chance, mit einem Wurf in den Schlusssekunden die Niederlage seiner Mannschaft zu verhindern. Sowohl im ersten als auch im fünften und sechsten Spiel des NBA-Viertelfinales warf Nowitzki daneben. Im siebten Play-off-Duell aber behielt Nowitzki am Montagabend im entscheidenden Augenblick die Nerven: Nachdem San Antonio 32,2 Sekunden vor dem Ende durch einen Dreipunktewurf von Manu Ginobili zum ersten Mal in diesem Spiel in Führung gegangen war (104:101), erzwang er mit einem Korbleger, bei dem er von Ginobili gefoult wurde, die Verlängerung. Den anschließenden Freiwurf verwandelte er sicher. Dreipunkte-Spiel nennen die Basketballer dieses Kunststück. In der Verlängerung bekamen die Mavericks dann San Antonios überragenden Centerspieler Tim Duncan in den Griff und siegten 119:111. Sie stehen im Finale der Western Conference.

Damit ist der aktuelle NBA-Meister, die San Antonio Spurs, nach einer großartigen Play-off-Serie ausgeschieden. Dirk Nowitzki hatte im entscheidenden siebten Spiel 37 Punkte erzielt und 15 Rebounds gefangen. Tim Duncan von den San Antonio Spurs erzielte 41 Punkte und fing 15 Rebounds. Dallas hatte den dreimaligen NBA-Champion in dessen Arena gleich in der ersten Halbzeit mit einer 20-Punkte-Führung geschockt – das Spiel schien frühzeitig zugunsten der Mavericks gelaufen. San Antonio erholte sich jedoch in der zweiten Halbzeit.

Dallas hat nach diesem Erfolg große Chancen auf den Finalsieg in der Western Conference und damit auf den Einzug ins NBA-Finale. „Dallas wird im Westen gewinnen“, sagte Ex-NBA-Star Charles Barkley, „Dallas gegen San Antonio war schon das eigentliche Finale.“ Donnie Nelson, Vizepräsident der Dallas Mavericks, sieht das ähnlich. „Es war einfach eine der besten Serien in der NBA-Geschichte.“

Nun spielen die Mavericks bereits am Mittwochabend im Finale der Western Conference gegen die Phoenix Suns mit dem genialen Aufbauspieler Steve Nash. Dieser ist bereits zum wertvollsten Spieler der regulären Saison gewählt worden. In der vergangenen Saison ist Dallas gegen Phoenix mit 2:4 Siegen ausgeschieden. Doch die Mavericks dieser Saison haben dazugelernt.

Hauptgrund dafür ist ein verbesserter Dirk Nowitzki. „Er hat erkannt, dass dies seine Mannschaft ist“, sagt Dallas’ Team-Besitzer Mark Cuban über den deutschen Nationalspieler. Nowitzki hat in der zweiten Saison nach dem Weggang von Steve Nash und Michael Finley in Dallas endlich die Regie übernommen. 2005 wurde der Deutsche als die größte Enttäuschung der Play-offs bezeichnet.

In dieser Saison aber ist er unter den im Meisterschaftskampf verbleibenden Stars neben Dwyane Wade von den Miami Heat der beste Spieler der Liga. „Er ist extrem aggressiv geworden“, sagt Dallas-Trainer Avery Johnson. Nowitzki, dem noch vor den Play-offs vorgeworfen worden war, zu passiv zu sein, um ein Team zu führen, hat offenkundig Biss entwickelt. Nachdem er mit den Mavericks in sieben hart umkämpften Spielen den amtierenden NBA-Meister besiegt hat, besteht kein Zweifel mehr an seinem Durchsetzungswillen und an seinen Führungsqualitäten.

Trainer Avery Johnson wollte seine Mannschaft immer nach dem Vorbild der San Antonio Spurs formen und Dirk Nowitzki beibringen, so zu spielen wie Spurs-Superstar Tim Duncan. Jetzt haben Johnson und Nowitzki die dominierende Mannschaft der vergangenen Jahre besiegt. Dabei hatte Tim Duncan am Montag nach dem Spiel noch erklärt, dies sei die beste Serie gewesen, die er je gespielt habe.

Dallas, Phoenix, Detroit und Miami streiten nun um den Meistertitel der NBA. Seit Montagabend haben die Mavericks die Favoritenrolle inne. „Wir haben noch nicht den Titel gewonnen“, sagte Mavericks-Trainer Avery Johnson. Noch nie standen die Mavericks in einem NBA-Finale, zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte gehören sie zu den besten vier Teams der Liga. Letztmals 2003, als sie gegen San Antonio ausschieden. Aber das hat sich geändert.

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