Sport : Besser als Hambüchen?

Philipp Boy greift in Tokio nach WM-Medaillen

Gute Hanglage. Das Reck zählt zu Philipp Boys Spezialgeräten. Foto: dpa
Gute Hanglage. Das Reck zählt zu Philipp Boys Spezialgeräten.Foto: dpa

Tokio - Fast eine Woche lang fühlte sich Philipp Boy wie im falschen Film. „Ich bin das fünfte Mal in Japan, aber solche Probleme hatte ich mit der Zeitverschiebung noch nie“, berichtete der Mehrkampf-Europameister. Doch dank der frühen Anreise der deutschen Riege ist der 24-Jährige rechtzeitig vor dem WM-Auftakt der Turner am Sonntag wieder hellwach – obwohl er im Training spektakulär stürzte, aber nahezu unverletzt blieb.

Schließlich hat Boy, der die Verletzungspause seines Rivalen Fabian Hambüchen (Achillessehnenriss) couragiert nutzte, viel vor in Tokio. „Der Kopf ist frei, ich fühle mich gut“, sagte er. Beste Voraussetzungen also, um sich nicht nur mit der Mannschaft des Deutschen Turner-Bundes (DTB) für Olympia 2012 in London zu qualifizieren, sondern auch im Mehrkampf und am Reck nach Medaillen zu greifen.

Speziell an diesem Gerät könnte es dann auch wieder zum Duell mit Hambüchen kommen. Zwar wurden durch Gespräche während der WM-Vorbereitung in der Sportschule Kienbaum diverse persönliche Differenzen der Vergangenheit ausgeräumt, doch die sportliche Rivalität bleibt. Gerade das Reck betrachtet Ex-Weltmeister Hambüchen nach wie vor als seine eigene Domäne.

So bietet sich Boy im Mehrkampf die größere Chance, seinem Rivalen eine historische Niederlage beizubringen. Hambüchen wurde für diesen Wettbewerbsteil nachnominiert, weist aber nach seiner schweren Verletzung am Boden und am Sprung noch Trainingsrückstand auf. Noch nie hat der 23-Jährige im Sechskampf ein direktes Duell gegen einen deutschen Kontrahenten verloren. Das könnte jetzt im Tokyo Metropolitan Gymnasium passieren.

Für Boy bleibt die direkte Olympia-Qualifikation mit dem deutschen Sextett aber das mit Abstand wichtigste WM-Ziel. „Wir sind ein total cooles Team und verstehen uns super“, sagte er: „Egal, wer in den Einzelwettbewerben vorne ist, da wird es kein böses Wort geben.“ Was schon mal anders war, bei den letztjährigen Welttitelkämpfen in Rotterdam beispielsweise. Hambüchen sah seine Führungsrolle in Gefahr, stichelte gegen Boy, der die lange vermisste Aufmerksamkeit der Medien manchmal etwas zu sehr genoss. Verbale Kraftproben eben, die es nun nicht mehr geben soll. Bundestrainer Andreas Hirsch wird das mit Freude vernommen haben. sid

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