Sport : Besser als Nowitzki?

Der Spanier Pau Gasol fordert den Deutschen heute im Duell der NBA-Stars heraus

Benedikt Voigt

Hiroshima – Es gibt eine Frage, über die Rudy Fernandez länger nachdenken muss. Der spanische Basketball-Nationalspieler steht in der Green-Arena von Hiroshima und versucht, Zeit zu gewinnen. Wer der bessere Spieler sei, ist Fernandez gefragt worden, Pau Gasol oder Dirk Nowitzki? „Gute Frage“, sagt er und überlegt weiter. Wenn er nicht Nowitzki nennt, brächte er einem der besten Basketballer der Welt womöglich in der Öffentlichkeit zu wenig Respekt entgegen. Andererseits spielt er mit Gasol im spanischen Nationalteam. Schließlich weicht Fernandez aus: „Man kann sie nicht vergleichen, sie spielen auf verschiedenen Positionen.“

Vielleicht gibt das heutige Spitzenspiel der Gruppe B bei der Basketball-WM zwischen Spanien und Deutschland eine Antwort. Es ist wahrscheinlich das Spiel um Platz eins, das dem Sieger einen leichteren Gegner im Achtelfinale beschert. Es ist aber auch das Duell der NBA-Stars: Pau Gasol von den Memphis Grizzlies gegen Dirk Nowitzki von den Dallas Mavericks. Zuletzt trafen sie in der ersten Runde der NBA-Play-offs aufeinander, Dallas gewann mit 4:0 Siegen. Doch Spaniens Trainer möchte das Spiel nicht auf zwei Spieler reduziert wissen. „Wir spielen nicht nur gegen einen Mann“, sage Pepu Hernandez, „auch die anderen sind wichtig.“

Das gilt auch für sein Team. Pau Gasol ragt darin mit durchschnittlich 21 Punkten heraus, doch auch der Power Forward Jorge Garbajosa und Aufbauspieler Juan Carlos Navarro können Spiele alleine entscheiden. „Wir haben viele gute Spieler“, sagt Gasol, „das hilft mir.“ Bei der Europameisterschaft 2005 in Serbien spielten die Spanier ohne den verletzten Center Gasol, trotzdem unterlagen sie im Halbfinale den Deutschen nur knapp mit 73:74. Damals erzielte Nowitzki sieben Sekunden vor dem Ende die entscheidenden Punkte, Gasol musste die Niederlage als TV-Kommentator in der Belgrader Halle miterleben. Heute kann er seinem Team wieder helfen. „Er freut sich, dass er wieder dabei ist“, sagt Fernandez, „bei seinen Freunden.“

Pau Gasol zählt neben Tennis-Star Rafael Nadal und Formel-1-Weltmeister Juan Pablo Alonso zu den drei größten Sporthelden in Spanien außerhalb des Fußballs. Vielleicht hat er deshalb gelegentlich eine arrogante Attitüde. Oft bedeckt er seine Ohren mit übergroßen Kopfhörern, die signalisieren: Sprecht mich nicht an. Unter den spanischen Journalisten gilt er aber als umgänglich und intelligent. Bevor der Katalane beim FC Barcelona Profi wurde, hat er ein Jahr lang Medizin studiert. Wenn man den wilden Bart sieht, den er seit einem Jahr trägt, würde man allerdings vermuten, dass er zuletzt einige Wochen außerhalb der Zivilisation verbracht haben muss. Mit den Barthaaren aber vermehrten sich auch seine Punkte in Memphis. Die zurückliegende Saison war seine bisher beste in der NBA.

Pau Gasol misst stattliche 2,13 Meter, doch ihn zeichnen ungewöhnlich geschmeidige Bewegungen unter den Körben aus. Vielleicht hat Rudy Fernandez auch daran gedacht, als er sich nach der Frage, wer der Bessere sei, doch noch zu einer Antwort durchringt. „Ich glaube“, sagt er, „ich finde Pau Gasol besser als Dirk Nowitzki.“

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