Sport : Besser mit Amateuren

Die Bayern wollen neue Stars holen, zunächst aber sollen Spieler aus der zweiten Mannschaft helfen

Klaus Raab[München]

Nach dem Spiel gegen den Hamburger Sportverein vermittelten sie das Gefühl, alles sei nun besser. Oliver Kahn, Daniel van Buyten, der Trainer – alle beim FC Bayern München suhlten sich im Zweckoptimismus. Die Bayern hatten damals gegen den Abstiegskandidaten HSV ein Vorbereitungsspiel zur Rückrunde 2:0 gewonnen, und Kahn sagte über den vorhandenen Spielerkader: „Ich sehe da eine sehr gute Mischung aus jungen und etablierten Spielern.“ Van Buyten sprach davon, die Abstimmungsprobleme mit dem Kollegen Lucio abgestellt zu haben. Und Trainer Felix Magath sagte: „Wir haben eine schwächere Vorrunde gespielt, aber jetzt – es läuft ganz anders.“ Das war im Januar.

Zwei Spieltage später flog nicht nur in Hamburg der Trainer, sondern auch in München. Huub Stevens hat mit dem Abstiegskandidaten HSV seither in zwölf Spielen 24 Punkte geholt. Bayerns neuer Trainer Ottmar Hitzfeld mit dem ewigen Meisterschaftsanwärter nur 19. Nach dem 1:2 gegen den HSV ist nun auch der letzte Zweckoptimist in München verstummt. Die Ziele sind nicht erreicht, Bayern München wird nur im Uefa-Cup spielen. Aber das wohl gravierendste Problem ist: Gegen den HSV wirkte mancher Spieler so, als könnte er es eigentlich besser.

Hitzfeld wurde am Tag darauf gefragt, wie viele Spieler er am liebsten aus der Kabine werfen würde. Er antwortete: so viele, „dann könnten wir keine Mannschaft mehr stellen“. Er werde sich für die verbleibenden drei Spiele „Gedanken machen, ob ich auf den Stamm zählen kann oder ein, zwei Amateure dazunehme“.

Im Champions-League-Spiel in Lissabon saßen in dieser Saison einmal Stefan Maierhofer und Christian Saba auf der Münchner Ersatzbank. Viele Profis waren verletzt, und die Hinzunahme der Amateure galt damals als Beleg für die mangelnde Personaldichte. Auch nun ist die Verletztenliste mit Ismael, Podolski, Sagnol und Schweinsteiger sowie vorübergehend Hargreaves und Scholl wieder lang. Doch diesmal wäre die Einbindung der Amateure eine Bestrafung der Profis. Manager Uli Hoeneß sagte: „Diese Mannschaft hatte ihre Chancen. Wer eine Chance ein ganzes Jahr nicht nutzt, hat keine zweite verdient. Das lassen wir uns nicht mehr länger bieten.“

In der Schusslinie stehen nach den Vereinsverantwortlichen, deren letztjährige Personalpolitik mit verkorkst noch wohlwollend beschrieben ist, jetzt also vor allem die Spieler selbst. Denn für das, was einige Profis zuletzt boten, gibt es zwei Kategorien: Bei den einen ist es eine Unverschämtheit; sie wollen nicht. Santa Cruz, Pizarro und Karimi sind hier zu nennen, von denen die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ einmal schrieb, sie seien längst in die innere Emigration gegangen. Bei den anderen ist es eine Leistungszerrung; sie können nicht. „Alle unsere Kraft setzen wir darauf, in der neuen Saison eine Mannschaft auf den Platz zu bringen, die mit dieser nichts mehr zu tun hat“, sagte Uli Hoeneß nun.

Luca Toni könnte zum neuen Team gehören (siehe Kasten). Zudem bestätigte Ottmar Hitzfeld gestern Interesse an Zé Roberto, der erst vor einem Jahr von Bayern zum FC Santos gewechselt war und an dem auch Borussia Dortmund, der AC Mailand und Juventus Turin interessiert sind. „Er ist eine Alternative, die man beobachtet“, sagte er. Darüber hinaus sollen laut Gerüchten auf dem Trainingsgelände zwei bis drei weitere hochkarätige Spieler kommen. Die Bayern haben also offenbar eine Lehre aus ihrer Krise gezogen. Sie lautet: Geld schießt keine Tore, zumindest nicht, solange es auf dem Festgeldkonto liegt.

Ob es die Bayern schaffen, nicht nur Spieler mit großen Namen zu kaufen, sondern solche, die zu einem großen Team zusammenwachsen, wird man sehen. Nächste Saison. Im Uefa-Cup, gegen Eriwan und Craiova. Und gegen Nürnberg.

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