Sport : Besser mit schlechteren Nerven

Die Eisbären besiegen Düsseldorf 4:3 nach Verlängerung und benötigen nun nur noch einen Sieg zum Erreichen der Endspielserie

Claus Vetter

Berlin - Es hat nicht viel gefehlt, und der gestrige Eishockeynachmittag hätte für die Anhänger der Eisbären mit einer kleinen Katastrophe geendet. Sie zitterten, die Berliner und ihre Fans, fast 74 Spielminuten lang. Dann endlich brachte Deron Quint mit dem Siegtor zum 4:3 gegen die Düsseldorfer EG in der 14. Minute der Verlängerung kollektive Erlösung in die betagte Halle. Denn das gestrige Spiel der Berliner hätte schon die Abschiedsvorstellung aus dem Wellblechpalast sein können. Wenn für die Eisbären alles in ihrer Halbfinalserie um die deutsche Meisterschaft falsch gelaufen wäre, hätten sie erst im September in der neuen Arena am Ostbahnhof ihr nächstes Heimspiel gehabt.

Es lief gestern zwar viel schief, aber am Ende stimmte das Ergebnis aus Sicht der Eisbären: Die Berliner führen nach ihrem 4:3 (2:1, 1:1, 0:1/1:0)-Erfolg nun in der nach dem Modus „Best of five“ ausgespielten Serie mit 2:1 Siegen. Am Dienstag können sie mit einem Erfolg im vierten Spiel in Düsseldorf das Finale erreichen.

Selbst der Schütze des entscheidenden Tores fand hinterher, „dass das hier auch hätte anders ausgehen können“. Deron Quint sagte: „Wir haben zu oft versäumt, den Sack zuzumachen.“ Einmal verschluderten die Eisbären eine 2:0-Führung, dann einen 3:1-Vorsprung und schließlich vergab Sven Felski in der Verlängerung noch einen Penalty. Über so viel Unachtsamkeiten und Pech sind andere Teams in den Play-offs schon gestolpert. Dazu kam noch ein klares Tor zum 4:3 für die Eisbären, das das Schiedsrichtergespann nicht gab, weil es zu früh abgepfiffen hatte. Kurioserweise wurde die Spielszene auf der Videowand wiederholt, was laut Regelwerk der Deutschen Eishockey-Liga nicht erlaubt ist. Düsseldorfs Trainer Lance Nethery sagte dazu: „Wenn das Tor gezählt hätte, dann hätten wir sehr, sehr viel Spaß gehabt. Das hätte einen Protest von uns gegeben.“

Am Ende war es für die Eisbären auch egal, schließlich hatten sie ja noch Deron Quint. „Ich war eben zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagte der US-Amerikaner. Sein Teamkollege Sven Felski fand derweil, dass der zittrige Sieg der Eisbären verdient gewesen sei – und hatte wohl Recht. Die Berliner waren gestern die bessere Mannschaft, allerdings oft auch die Mannschaft mit den schlechteren Nerven: Schnell lagen sie nach Toren von Quint und Denis Pederson 2:0 vorn. Pedersons Unterzahltor hätte die Eisbären beruhigen müssen. Doch Rob Collins gelang der Anschlusstreffer. Dann aber hätte ein kurioses Tor, wie das von Sven Felski im Mittelabschnitt, die Vorentscheidung sein müssen: Torwart Jamie Storr war weit herausgelaufen, legte dann unabsichtlich dem Berliner Angreifer die Scheibe auf den Schläger, von dort aus beförderte Felski den Puck ins verwaiste Düsseldorfer Tor.

Doch Tore Vikingstad gelang per Bauerntrick das zweite Düsseldorfer Tor und dann kam, was oft kommt, wenn die bessere Mannschaft Nerven zeigt: Der Gegner glich aus, Jason Pinizzotto gelang das 3:3. In der Verlängerung vergab Felski schon nach drei Minuten die Siegchance für die Berliner, als er mit einem Penalty an Storr scheiterte, obwohl sich der Schütze „sicher war, dass ich den reinhaue“, wie Felski sagte. Na, dann habe er halt gedacht, „irgend so ein Schweinetor werden wir schon noch schießen“. Das bei Berliner Überzahl erzielte Siegtor von Quint war dann aber recht ansehnlich und beendete plötzlich einen spannenden Eishockeynachmittag im Wellblechpalast, der nicht der letzte war. So viel steht fest: Die Eisbären haben nun am Dienstag in Düsseldorf den ersten von zwei Matchbällen zum Erreichen des Finales.

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