Sport : Besser wenig als nichts (II)

Babelsbergs Spieler nehmen Gehaltskürzungen hin

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Von Jutta Meier

Potsdam. Es war kein leichter Entschluss, aber immerhin, er war einheitlich. Aus der Not geboren und von großen Zweifeln begleitet. Mitten in der wertvollen Vorbereitungszeit zur neuen Saison mussten die Spieler des SV Babelsberg 03 eine schwere Entscheidung fällen. Es war eine spontane Zusammenkunft nach dem Training. Kein hitziges Wortgefecht, mehr ein ernstes Beratschlagen. Jeder Spieler trug seine Meinung vor, Zweifel und Unsicherheit dominierten vor Wut. „Wir waren ratlos und wussten erst nicht, was wir machen sollten", sagt Mittelfeldspieler Almedin Civa. Der Vorstand hatte die Spieler aufgefordert, Gehaltskürzungen zuzustimmen, um den Klub vor der Pleite zu retten. Bei selbst für Regionalligaverhältnisse geringen Monatsgehältern von im Schnitt weniger als 4000 Euro ist das etwas anderes als bei den Millionären der Ersten Liga. In Babelsberg ist man froh, wenn man überhaupt für Geld Fußball spielen darf.

„Ich muss vor allem an meine Familie denken", sagt Kapitän Martino Gatti. Die Alternative, zu anderen Vereinen zu wechseln, hätten einige Spieler gehabt. Doch die haben schließlich auch ihre finanziellen Probleme. Finanzielle Sorgen sind beim SVB nichts Neues. „Ich bin jetzt schon das vierte Jahr hier. Da kennt man das langsam“, sagt Civa. Doch diesmal war die Lage ernster. Auf 1,4 Millionen Euro schätzt der ehemalige Präsident Detlef Kaminski die Defizite aus der Vorsaison aufgrund der Kirch-Krise, nicht erfolgter Zahlungen einiger Sponsoren sowie fehlender Fernseheinnahmen. So musste man sich notgedrungen mit dem Vorstand über Gehaltskürzungen einigen. Bei den Siegprämien sollte nicht eingespart werden. „Wir wollten den Leistungsgedanken aufrecht erhalten", sagt Manager Oskar Kosche.

Für die Spieler war klar, entweder würden alle oder keiner auf einen Teil des Gehalts verzichten – und sie verzichteten alle. Mitte Mai wurden die langen, intensiven Verhandlungen begonnen, mit jedem Spieler individuell eine Lösung gesucht. Einen festen Prozentsatz gibt es nicht. Die Einigung mit Civa war jetzt der Abschluss. 100 000 Euro an Grundgehältern und Auflaufprämien konnten eingespart werden. Natürlich nur ein Anfang, aber Kosche ist zufrieden und spricht von „dennoch guten Ergebnissen". „Großen Respekt gegenüber den Spielern“ hat der neue Präsident Marc Schulten. Für die Spieler war es letztlich die einzige Chance, überhaupt im Geschäft zu bleiben. Seit Mitte Mai haben sie kein Gehalt mehr gesehen, und auch jetzt, nach ihren Zugeständnissen, ist ihre finanzielle Zukunft nicht gesichert. Nach dem Spiel gegen die Amateure des Hamburger SV tagten am Sonntag Aufsichtsrat und Vorstand mit Sponsoren und Gläubigern. „Wir haben Wege gefunden, wie die argen Liquiditätsprobleme gelöst werden können", sagt Kosche. Jetzt sei der Fortbestand des Klubs bis zum Ende der Saison gesichert. Und die Bezahlung der Spieler? „Die Gehälter werden Schritt für Schritt rückwirkend gezahlt", sagt Kosche. Jetzt hoffen alle auf ein Ende der Unsicherheit.

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