Bestechungsskandal : Ermittlungen in England stecken fest

Die Ermittlungen im Bestechungsskandal des englischen Fußballs drohen im Sande zu verlaufen. Zu den vermutlichen Schmiergeldzahlungen lassen sich keine handfesten Beweise finden.

London - Der vom Verband FA beauftragte Ermittler John Stevens kündigte zwar an, 17 "verdächtige" Vereinswechsel von Spielern im englischen Profi-Fußball genauer untersuchen zu wollen. Doch es wird immer deutlicher, dass die unabhängigen Ermittler keine hieb- und stichfesten Beweise finden, um Schmiergeldzahlungen bei Spielerwechseln nachweisen zu können.

Das Ermittlungsteam um den früheren Scotland-Yard-Chef hatte es in den vergangenen neun Monaten nicht leicht bei den Untersuchungen von insgesamt 362 Transfers seit Januar 2004. Proficlubs und Spielerberater mauerten und rückten - wenn überhaupt - nur spärliche Informationen heraus. "Inakzeptabel" nannte Lord Stevens dieses Verhalten und kündigte an, der Premier League und der Polizei sämtliche Vorfälle zu melden, in denen seine Ermittler vor verschlossenen Türen standen. Acht einflussreiche Spielerberater hätten jegliche Zusammenarbeit verweigert.

Von den noch ausstehenden Untersuchungen sind acht Clubs betroffen. Welche dies sind, blieb unklar. "Wir nennen erst dann Namen, wenn wir Beweise haben, die zu einer Anklage führen", sagte Richard Scudamore, Geschäftsführer der Premier League. Dass es dazu kommen wird, bezweifeln Kenner der Szene. Zu undurchsichtig sind die Transfers in England, da Spielerberater sowohl vom bisherigen als auch vom neuen Verein Geld kassieren.

Neues Modell für Transfers

Deshalb stellte Lord Stevens, der auch die amtlichen Ermittlungen zur Todesursache von Prinzessin Diana geleitet hatte, ein Modell vor, wie Spielertransfers in Zukunft ablaufen sollen: Berater sollen nur noch von den Spielern bezahlt werden, Verwandte gar kein Geld kassieren dürfen. In den vergangenen Jahren hatten beispielsweise die Söhne von Alex Ferguson, dem Trainer von Manchester United, und von Bolton-Coach Sam Allardyce kräftig mitverdient, wenn ihre Väter Spieler verpflichteten.

Da die FA es "nicht geschafft hat, Spielerwechsel genau zu überwachen", soll eine neue Behörde geschaffen werden, die die Geldflüsse kontrolliert, regte Stevens an. Wenn nicht alle dieser Vorschläge umgesetzt würden, "wird der Fußball ständig angegriffen und die Mitglieder zum Ziel ständiger Vorwürfe und Unterstellungen". (Von Dominik Lauck, dpa)

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