Sport : Bestellte Wunder

Portugals Korruptionsskandal

Ralph Schulze

Lissabon. Gestern staunte auch Portugals Fußballstar Luis Figo. „Es ist schwer für mich zu glauben, dass über Sieg oder Niederlage in Büros entschieden wurde“, sagte der Mittelfeldspieler von Real Madrid. Am Dienstag war in Portugal, das die Fußball-EM 2004 ausrichtet, ein großer Korruptionsskandal bekannt geworden. Figo glaubt jedoch: „Die EM hat nichts damit zu tun. Es wird nur Konsequenzen für die Leute haben, die in den Bestechungsskandal verwickelt sind.“

Insgesamt 16 Personen wurden bisher unter Korruptions- und Betrugsvorwürfen verhaftet. Darunter der Präsident der nationalen Fußball-Liga, Valentim Loureiro, der Chef des nationalen Schiedsrichterkomitees, Pinto de Sousa, sowie acht weitere Unparteiische, die sich offenbar kaufen ließen. Möglicherweise ist dies erst die Spitze eines Skandals, der entgegen der Beschwörungen Figos auch nicht vor der EM Halt macht. Teil des Ermittlungsverfahrens sind auch Vorwürfe des Betrugs und der Geldwäsche gegen Erstligaklubs im Zusammenhang mit dem Bau der zehn EM-Stadien.

Das Zentrum des Korruptionsskandals befindet sich nahe der EM-Stadt Porto in dem Vorort Gondomar. Dort herrschte bislang Valentim Loureiro, der Liga-Chef, als konservativer Bürgermeister. In seinem Büro, in dem sich Portugals Schiedsrichter offenbar die Klinke in die Hand gaben, soll er mit Geld manchen Sieg erleichtert haben. Etwa für den Erstligaklub Boavista, dessen Heimat das Bessa-Stadion in Porto ist. Der Präsident Boavistas, Joao Loureiro, ist zufällig der Sohn des Ligabosses. Bei den Heimspielen Boavistas fielen auffällig oft Tore, die durch umstrittene Schiedsrichterpfiffe begünstigt wurden. Weswegen die Gegner bereits Korruption witterten. Ähnliche Fußballwunder häuften sich auch beim Zweitligaverein Gondomar SC, in dem über Strohmänner ebenfalls Ligachef Loureiro das Sagen hat.

Ein ehemaliger Schiedsrichter bekräftigte gestern, dass Bestechungsversuche in Portugal nicht selten seien. Vereinsfunktionäre hätten ihm bereits öfters eindeutige Angebote unterbreitet und ihn gleichzeitig gebeten, „die Sache für die Gastmannschaft zu erleichtern“.

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