Sport : Bestellung mit System

Betrug beim Ticketverkauf für die WM 2006: Zwei Millionen Anträge aus den USA sind ungültig

André Görke,Robert Ide

Berlin - Für die Fans ist es eine gute Nachricht. Ihre Chance, eine Eintrittskarte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zu bekommen, ist auf einen Schlag gestiegen – und das noch vor dem Start der Auslosung, die am Freitagvormittag in Frankfurt am Main durchgeführt wurde. Kurz vor der ersten Ziehung wurde die Anzahl der Bestellungen vom WM-Organisationskomitee (OK) herunterkorrigiert. Nach dem Aussortieren von Doppelbuchungen und falschen Bestellungen gab es nur noch 8,7 Millionen Bestellungen. Karten gibt es dennoch nicht genug. Für die Auslosung stehen 812 000 Karten zur Verfügung.

Bislang hatte das Organisationskomitee von zehn Millionen Bestellern gesprochen. Doch eigentlich waren es sogar noch mehr. Intern waren bereits etwa 2,3 Millionen Anträge für Eintrittskarten aussortiert worden – weil sie offenbar falsch waren. „Es ist uns gelungen, einen Manipulationsversuch aufzudecken“, sagte OK-Vize Horst R. Schmidt. Nach Angaben des Organisationskomitees war aus den USA versucht worden, an eine große Anzahl von Tickets zu gelangen. Die Anträge hätten irreguläre Adressen gehabt, um die Identität des Absenders zu verschleiern, hieß es zur Begründung. Nach Aussage von Schmidt lag allen verdächtigen Anträgen „ein auffälliges Bestellmuster zugrunde“. Die Organisatoren haben inzwischen die deutsche Polizei informiert, die sich allerdings für den Fall nicht zuständig fühlt. Nun wird geprüft, US-Ermittlungsbehörden zu kontaktieren.

Der Betrugsversuch wurde nach Angaben aus Organisationskreisen zwei Wochen vor Ende der ersten Bestellphase am 1. April durchgeführt. Er scheiterte aber, da das OK und die für den Ticketverkauf zuständige Firma CTS Eventim die Anträge neu überprüften. So wurden angebliche Besteller telefonisch kontaktiert. Von den wenigen erreichten Personen hatte offenbar keiner Karten bestellt. Auch E-Mails an die von den Bestellern angegebenen Adressen wurden verschickt – die meisten blieben ohne Antwort.„Unsere Sicherheitsmaßnahmen haben hundertprozentig gegriffen“, sagte CTS-Chef Klaus-Peter Schulenberg.

Zur Freude der WM-Organisatoren war bereits das Computersystem auf mysteriöse Massenbestellungen aus Amerika aufmerksam geworden. Die Anfragen hatten sich vorrangig auf dieselben, vor allem prominenten Spiele und Mannschaften bezogen. So tauchten immer wieder Parallelen zwischen den Angaben – etwa ähnliche Adressen – auf. Die Betrüger sollen dafür ein computergestütztes Baukastensystem benutzt haben. „Das waren keine Laien“, sagen Insider.

Doch auch normale Fans hatten Pech: Weitere 1,3 Millionen Bestellungen wurden vom Organisationskomitee aussortiert. Darunter waren sowohl Doppelbestellungen als auch Kartenanfragen für zwei Spiele an einem Tag, was laut Geschäftsbedingungen nicht möglich ist. „Es gab auch Versuche, durch eine geringfügige Veränderung der Namensschreibweise bei gleicher Bestelladresse zusätzliche Eintrittskarten anzufordern“, erzählt WM- Sprecher Gerd Graus. Am Ende blieben 8,7 Millionen Bestellungen übrig, mehr als 80 Prozent davon aus Deutschland.

Die Auslosung dauerte mehrere Stunden. Etwa 600 Ziehungsvorgänge mussten auf den fünf extra installierten Computern in den OK-Büros durchgeführt werden. Ein Ziehungsbeamter des Landes Hessen überwachte die Zuteilung der zur Verfügung stehenden 665 000 Einzeltickets und 147 000 Tickets für die Begleitung einer bestimmten Mannschaft.

Am 22. April werden die Gewinner benachrichtigt. Wer im Internet bestellt hat und nicht ausgelost wurde, wird ebenfalls per E-Mail informiert. Im Mai startet die zweite Verkaufsphase, bei der ausschließlich Tickets der Teamserien in den Verkauf gehen. Einzeltickets können erneut ab Dezember bestellt werden. Nach Ende der dritten Verkaufsphase wird abermals das Losverfahren zum Einsatz kommen. Weitere Betrugsversuche schließen die Organisatoren nicht aus. WM-Sprecher Graus sagt: „Vollkommen sicher kann man sich nie sein.“

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