Sport : Besuch aus der Vergangenheit

Trainer Matthias Sammer empfängt mit dem VfB Stuttgart seinen ehemaligen Klub Borussia Dortmund

Oliver Trust[Stuttgart]

Matthias Sammer ist vorsichtig. Der Coach des VfB Stuttgart kommt vom Training. Sammer rückt seinen Sessel noch ein Stückchen nach hinten. „Dass ich mich hier wohl fühle, hat nichts mit anderen zu tun“, sagt der frühere Dortmunder Trainer und nimmt in Kauf, etwas geschwindelt zu haben. Eine pflegeleichte Mannschaft, ein Präsident mit klarem Blick für die Realität, keine Diven mehr auf dem Trainingsplatz – Sammer hätte vieles aufzählen können, was zu seiner Zufriedenheit beiträgt. Aber vor dem Duell gegen seinen ehemaligen Verein aus Dortmund am Samstag im Gottlieb-Daimler-Stadion lässt er es sein.

Sammer will authentisch wirken. Als derjenige, der auf sechs Millionen Euro verzichtete, als ihn im Sommer vor allem Dortmunds Präsident Gerd Niebaum in Westfalen nicht mehr haben wollte. „Viele hätten nicht auf Geld verzichtet“, sagt er und schweigt zum Rest. Auch sein Verhältnis zu Niebaum habe schwer gelitten. Sammer aber belässt es bei Andeutungen. Heute wie zu seinen Zeiten bei den Borussen.

„Ich verfolge, was da passiert, ich lebe ja nicht im luftleeren Raum. Das ganze Drumherum in Dortmund darf uns nicht in Sicherheit wiegen. Es gibt unglaubliche Diskussionen um Dortmund, aber da kommt keine verunsicherte Mannschaft“, sagt Sammer. Wer den Sachsen in diesen Tagen in Stuttgart erlebt, hat den Eindruck, da fühlt sich ein Mensch wie befreit von einer Last und freut sich über die Rückkehr ins „normale Leben“. Keiner nennt ihn mehr „Motzki“, wenn er vor allzu großen Erwartungen warnt.

Sammer wirkt aufgeräumt und locker. Heute dürfen seine Stuttgarter Spieler sogar öffentlich von der Meisterschaft sprechen. „Das ist doch positiv“, sagt er. Schon im Sommer, als er im Schlossgartenhotel zur Vertragsunterschrift über edle Teppiche schritt, hatte es den Anschein, als kehre der verlorene Sohn zurück, der 1992 mit den Stuttgartern als Spieler Meister wurde.

Er werde in eine Schublade gedrängt, sagt er. In die des ewig missgelaunten Trainers. „Ich komme nicht immer so gut rüber“, sagt er. Ausgelaugt und leer sei er nach den Spielen und das „lässt sich nicht abschütteln“. Als locker will Sammer aber auch in Stuttgart trotz des Erfolges nicht gelten. „Das Wort bekommst du schnell um die Ohren gehauen. Ich würde sagen, ich bin im Umgang mit den Spielern ergebnisorientiert. Wenn es nicht läuft, dann heißt es gleich, der Sammer ist doch viel zu locker.“

Es hat ein paar Tage gedauert, bis sich alle an ihn gewöhnt hatten. An einen solch nahtlosen Übergang von Vorgänger Felix Magath zu ihm hatten nur wenige geglaubt. „Er gibt uns das Gefühl, dass wir ihm vertrauen können“, sagen Spieler wie Horst Heldt. Sein Antrieb werde stärker durch „Jungs, die motiviert sind. Das ist in Stuttgart der Fall“, sagt Sammer. Kein bewusster Seitenhieb auf die „Ich-AG’s“ aus Westfalen, aber eine Äußerung, die vieles verrät. Er habe manchmal Schwierigkeiten mit der „Oberflächlichkeit des Geschäfts“. Es stecke einfach keine Tiefe mehr drin, weil Geld zum Hauptthema werde.

Am Samstag aber wird Sammer nicht so vorsichtig mit Dortmund umgehen. „Dann will ich drei Punkte gewinnen.“

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